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MCH Group: Was genau ist das Standortgeschäft?

Die Überlebensfähigkeit einer standortgebundenen Messegesellschaft hängt wesentlich davon ab, wie sich das Geschäft am Standort entwickelt. Das tönt so einfach, ist es aber nicht.

by Jochen Witt | 20. Oktober 2020

Lassen Sie mich ein paar Gedanken und einige Fragestellungen zur Zukunft des Mediums «Messe» formulieren als Antwort auf Ihre Story «MCH Group: Wie weiter nach dem Finma Entscheid?» Es sind Fragestellungen, die meines Erachtens vor einer Entscheidung für einen Investor geklärt werden müssten.

Die Überlebensfähigkeit einer standortgebundenen Messegesellschaft hängt wesentlich davon ab, wie sich das Geschäft am Standort entwickelt. Ich teile Ihre Auffassung, dass es schwierig ist, Neugeschäft in Basel zu entwickeln. Daraus lässt sich aber nicht der Schluss ziehen, der «Zug für Neugeschäft im Kernbusiness von Messen» sei «schon lange abgefahren». Es gibt genügend Beispiele, die das Gegenteil zeigen.

Die europäischen Messegesellschaften und auch die MCH Group müssen sich die Frage stellen, auf welche Eventformate ihre Strategie zukünftig zielen soll und welche Folgen das für die Geländestruktur hat.

Eine Vielzahl europäischer Messegelände und das MCH Gelände in Basel werden spätestens in fünf bis zehn Jahren kaum noch internationalen Ansprüchen entsprechen. Für MCH ist damit auch die Frage nach der zukünftigen Größe das Geländes und der Eigentümerstruktur verbunden.

Dazu muss man sich auch die folgenden Fragen stellen:

Wie soll es mit dem margenschwachen Bereich Live Marketing/Dienstleistungen, der immerhin fast zwei Drittel des Umsatzes ausmacht, weiter gehen?

Wie soll die Internationalisierung des Messegeschäfts vorangetrieben werden? Die Veräußerung der Beteiligungen an den kleineren Kunstmessen ist das genaue Gegenteil einer Internationalisierung und unverständlich.

Wie will man die Bereiche «Digitalisierung», «Data Management» und «KI» entwickeln? Diese sind für die Zukunftsfähigkeit elementar wichtig, aber erfordern Finanzkraft.

Wie werden Strukturen und Kosten langfristig an das sich ändernde Messegeschäft angepasst?

Dies sind nur einige wenige Fragen, von ihrer Beantwortung hängt allerdings ab, ob und für welchen Partner man sich öffnet. Lupa Systems von James Murdoch kann sicherlich Liquiditätsengpässe der MCH ausgleichen. Ich bezweifle allerdings, dass die Gesellschaft einen wesentlichen Beitrag zur Lösung von Fragen, wie ich sie hier aufgeworfen habe, leisten kann.

Jochen Witt hat jahrzehntelange Messeerfahrung. Bevor er Jochen Witt Consulting startete war er während zehn Jahren Vorsitzender der KölnMesse.

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