Messebautalk: «Wir werden an Kapazitätsgrenzen kommen»

Alle Zeichen weisen darauf hin, dass der Konzentrationsprozess weiter geht und Messen in der Schweiz weniger und kleiner werden. Dies obwohl die Aussteller den Vertriebskanal «Messe» vermissen. Trotzdem wird es zu einem Kapazitätsengpass kommen, wenn der Neustart lanciert ist.


by Urs Seiler | 24. März 2021



Die Meinungen waren geteilt am fünften Messebautalk vom 17. März, ob es im 2021 zu einem Neustart in der Messewirtschaft kommen wird.


Da ist einerseits die Planungsunsicherheit für Veranstalter und damit für Aussteller. Die meisten Messeveranstalter prognostizieren, dass Messen, wenn sie denn wieder an den Start gehen, kleiner werden.


Zahlreiche Aussteller haben sich bereits im ganzen 2021 und teilweise schon im 2022 von Messen zurückgezogen. Nicht weil sie kritisch gegenüber dem Medium Messe wären, sondern weil sie jetzt in die Planung gehen müssten und diese ist für viele Aussteller nach wie vor zu unsicher. Messerli.live hat zu den Herbstmessen IFAS und Igeho allerdings volle Auftragsbücher, gemäß Andreas Messerli haben alle bisherigen Aussteller wieder gebucht und seiner Ansicht nach «gibt es keinen Grund, diese Messen abzusagen.»



Dass das nicht am Vertrauen zum Medium Messe liegt, geht aus einer Umfrage von Syma System AG hervor. 71% der befragten Firmen haben angegeben, dass sie Messen als unersetzlichen Vertriebskanal vermissen. Gemäß dem Tenor im Messebautalk ist das ein positives Zeichen, weil Messeteilnahmen vor Covid nur aufgrund der entstehenden Kosten hinterfragt, aber kaum aufgrund ihres Return-on-Investment beurteilt wurden. Festgehalten wurde auch, dass sich Schutzmaßnahmen auf einer Fachmesse besser umsetzen ließen als in einem Einkaufszentrum, nur schon weil die BesucherInnen sich registrieren müssen.


Kapazitätsengpass

Obwohl voraussichtlich die meisten Messen in der Schweiz kleiner und einige ganz verschwinden werden, könnte es bei einem Neustart, vor allem im 2022, zu einem Kapazitätsengpass bei Messebaufirmen kommen, da die Datenfenster, etwa der nach hinten geschobenen Messen, von den Veranstaltern nicht abgestimmt werden.


Gemäß einem Messebauer verträgt es 1 – 2 vom Zeitpunkt her unsichere Austragungen – aber wenn der Anteil an nach hinten geschobenen Messen zu groß würde, werde das für die ganze Branche eine Herausforderung. «Wir werden an Kapazitätsgrenzen kommen», war ein allgemeines Statement.


Vor einer zusätzliche Herausforderungen stehen die Messebaufirmen, die ihr Personal nach der relativ langen Phase der Kurzarbeit jetzt teilweise neu schulen müssen. Dann gibt es Mitarbeitende, die die Messebranche wegen der zurückliegenden Unsicherheit bereits verlassen und sich neu orientiert haben. Ein Tenor lautete deshalb, wie wichtig es ist, das Leistungsvermögen und die Ressourcen aufrecht zu halten für den Zeitpunkt, ab dem es in der Live Kommunikation wieder weiter geht.


Jetzt ist der Schutzschirm da

Der vom schweizerischen Nationalrat beschlossene Schutzschirm für bewilligte, aber abgesagte Veranstaltungen dürfte zu einer Erhöhung der Planungssicherheit im Messe- und Eventgeschäft führen. Trotzdem sagte ein Messebauer: «Ich habe das Vertrauen in die Politik verloren. Und die bestehenden Unsicherheiten nagen an meinem Selbstwertgefühl.» Und ein anderer: «Alle arbeiten wieder – nur wir nicht.»


Teilnehmer am fünften Messebautalk:

Andreas Messerli, Messerli.live. Andy & Cyrill Pape, Pape Werbe AG. Urs Bischoff, Bexpo AG. Fredi Schnider, Stauffis. Urs Blöchlinger, Display Team. Thomas Berger, Syma System AG. Moderation: Urs Seiler, smartville.digital.

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