Dreistelliges Milliardenvolumen: Warum Influencer:innen zum strategischen Erfolgsfaktor geworden sind für mehr ROI für Messen & Events
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Aktualisiert: vor 15 Stunden
Influencer:innen sind in der Live-Kommunikation längst vom „Nice-to-have“ zum strategischen Hebel geworden. Für Messen und Events – deren Kosten stetig steigen – eröffnen sie die Möglichkeit, Reichweite weit über den Messestand oder die Veranstaltung hinaus zu erzielen und gleichzeitig zusätzlichen Traffic vor Ort zu generieren. Aus einem einmaligen Live-Moment wird so ein multichannel-fähiges Content-Ökosystem.
von Stephan Schäfer-Mehdi* || 12. Februar 2026
Marken wie BSH nutzen Creator:innen bereits als Reichweitenverstärker, Vertrauensbrücke und Content-Engine – etwa über Live-Cooking-Formate oder integrierte Streaming-Elemente. Auch in Branchen wie Automotive und Beauty entstehen durch exklusive Creator-Events oder Embargo-Launches millionen- bis milliardenstarke Sichtbarkeiten.
Die Gespräche mit Nina Wiemer, Head of Experiential Marketing: IRL & Social Media bei BSH Home Appliances und David Korte, Partner und Aufsichtsrat der DISCO Experiential Communication by DGT AG und CEO der KORSAH GmbH, machen klar: Wer heute Messe- und Eventkommunikation plant, sollte Creator:innen strategisch einbinden – für mehr Relevanz, mehr Wirkung und einen besseren ROI des gesamten Live-Auftritts.
Mr. Benz ist ein deutsches Content Creator und Influencer-team, das sich vor allem auf Automobil-Inhalte, insbesondere rund um Mercedes-Benz, AMG und Luxusautos, spezialisiert hat. Instagram: über etwa 3 Millionen Follower auf @mr.benz– sehr beliebter Account mit Bildern, Reels und Stories rund um Autos. YouTube: über 1,2 Mio. Abonnenten. Foto: Mr. Benz von der Brabus Signature Night.
-------- Interview --------
Welche Rolle spielen Influencer:innen heute in und für Unternehmen wirklich?

Nina Wiemer (Bild): Influencer & Creator spielen eine zentrale Rolle im Contentmarketing bei der BSH: Nur Menschen können echte Loyalität zu unseren Marken aufbauen. Und Content, der berührt, wird sichtbar und unvergesslich. Denn man darf nicht vergessen – hinter „Algorithmen & Viralität“ stecken die Vorlieben echter Menschen. Dazu sind die Content Creator immer am Puls der Zeit, da es ihr tägliches Business ist. Sie können auf Trends wie „Culture Moments“ sofort reagieren, was in einem Corporate Kontext wesentlich schwieriger umzusetzen ist.
David Korte: Influencer:innen sind zu einem strategischen Baustein geworden – nicht mehr „nice to have“. Die Creator Economy ist längst ein eigener Markt mit dreistelligen Milliardenvolumen und starkem Wachstum. Menschen folgen Menschen – deshalb funktioniert das Thema B2B und B2C. Seine besondere Stärke hat es aber im B2C: Das Vertrauen in „people like me“, also glaubwürdige Peers und Expert:innen, wächst stetig.
Der Edelman Trust Barometer zeigt das seit Jahren deutlich. Influencer:innen erfüllen im Kontext von Live-Kommunikation zunehmend drei zentrale Rollen: Als Reichweitenverstärker:innen sorgen sie dafür, dass Events weit über den physischen Raum hinaus wahrgenommen werden. Als Vertrauens- und Relevanzbrücke übersetzen sie Unternehmensbotschaften in eine glaubwürdige Sprache für spezifische Zielgruppen wie Kund:innen, Partner, Talente oder Fachcommunities. Und als Content-Engine verwandeln sie Keynotes, Panels, Weltpremieren und Sessions in Clips, LinkedIn-Posts, Recaps und Thought-Leadership-Formate.
Seit wann setzt Ihr Influencer:innen bei Events ein?
Nina Wiemer: In dem professionellen Rahmen, wie man ihn heute sieht, arbeiten wir seit 2022 – dem „Post-Covid“-Jahr. Die Corona-Zeit hat gezeigt, wie wichtig es ist, Veranstaltungen auch digital anzubinden. Das gelingt nicht mit einem reinen digitalen Metaverse, sondern nur wirksam über echte „Community Events“ mit Menschen, bei denen die Fans unserer Marken gerne selbst dabei gewesen wären.
David Korte: Ich unterscheide drei Entwicklungsphasen. Bis etwa 2019 wurden Influencer:innen zunehmend als Add-ons bei Events eingeladen und gebucht. Ab 2020 – getrieben durch digitale und hybride Eventformate – wurden Creator:innen aktiv in Veranstaltungen und Content-Produktionen integriert. In der aktuell laufenden dritten Phase sind Creator:innen ein integraler Bestandteil jeder Live-Kommunikationsstrategie – auf Jahres-Kampagnen- und sogar auf Einzeleventebene.
Wie lassen sich Influencer:innen bei Corporate Events konkret einsetzen?

David Korte: Wir denken in Pre-Event, On-Site/Live- und Post-Event. Je nach Aufgabe entsteht ein anderes Setup, denn ein „one size fits all“ funktioniert hier nicht. Manche Creator:innen eignen sich besonders für das Anteasern, andere für Kanal-Takeovers, wieder andere als Gesprächspartner:innen auf der Bühne oder für den verkaufsorientierten Einsatz, etwa bei Produktlaunches.
Entscheidend ist das Matching aus Marke, Zielsetzung und Creator:in. Neben Daten hilft dafür auch das Gespür der Creator:innen, die genau wissen, was auf ihren Kanälen funktioniert. Influencer-Marketing sollte zum Standard bei Fachmessen und Konferenzen gehören – für höhere Awareness und Attendance. So entwickelt sich aus der „Live-Kommunikation“ ein langfristiges, multichannel-optimiertes Content-Ökosystem.
Welche Erfahrungen werden aktuell mit Creator:innen gemacht?
Nina Wiemer: Influencer-Aktivierungen sind von Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Durch gestiegene Kosten für Live-Experiences ist es eigentlich obligatorisch, nicht nur den realen Raum zu bespielen, sondern alle Besucher digital mitzunehmen. „Moments to Media“ ist unbezahlbarer Content und schafft echte Nähe.
David Korte: Wir prüfen bei jedem Konzept systematisch, welche Creator:innen passen. Neben Daten ist der enge Kontakt zu ihnen entscheidend, da sie Marken oft kreativ neu denken. Ein Beispiel: Die vorzeitige Produktion unter Embargo, als der Arbeit mit Creator:innen in der geheimen Phase vor dem Launch und die gezielte Distribution der Assets wie Tests oder Behind the Screnes-Berichten durch ausgewählte Creator:innen, führten bei einem Automotive Launch innerhalb von 14 Tagen zu über 1,2 Milliarden Views. Das lancierte Produkt wurde zum „talk of the web“.
Welche Reichweiten lassen sich konkret erzielen – und wo liegen die Grenzen?
Nina Wiemer: Auf der IFA erzielten wir 62,2 Millionen Impressions, beim OMR Festival 2,45 Millionen in zwei Tagen.
David Korte: Reichweite ist eines der wichtigsten Argumente, besonders durch geringere Streuverluste. Communities folgen ihren relevanten Themen-Bubbles und Creator:innen. Wir erzielen erfolgreiche View-Millionäre und sogar View-Milliardäre – und das selbst bei hochpreisigen Produkten.
Bild links: Testimonials und Content-Creator bringen für Siemens zusammen eine Reichweite von über 500.000 Follower allein auf Instagram zusammen.
Bild rechts: Viktoria Fuchs, Köchin und Testimonial mit starker Social Media Präsenz und 95.000 Followern in einer Kochshow auf dem Siemens-Messestand Fotos: Philipp Nürnberger.
Verratet Ihr uns Eure Dos & Don’ts?
Nina Wiemer: Das Wichtigste ist, die richtigen Creator zu wählen, die sich mit der Marke identifizieren. Briefings sollten nicht zu detailliert sein, Creator:innen brauchen kreativen Spielraum, um authentischen Content zu produzieren.
David Korte: Man sollte Creator:innen nie nur als Deko einsetzen und keine unrealistischen KPI-Versprechen geben. Erfolgreiche Kommunikation verlangt klare Ziele, passendes Matching, frühe Einbindung von Spezialist:innen sowie sauberes Content- und Reporting-Setup.

*Interview von Stephan Schäfer-Mehdi, Autor, Dozent, vielfach prämierter Kreativer In der Live-Kommunikation und bei Studio Bachmannkern, Solingen verantwortlich für Strategie und Kreation.
















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