Messen: kein Zurück zum #OldNormal


Messeveranstalter, Messebauer, Messe-Consultants und auch so mancher Aussteller - man träumt post-Corona bereits vom «back to normal»... aber dieses «#oldnormal» wird es nach meiner Einschätzung nicht mehr geben.

by Elke Clausen* | 24. August 2020


Die Branche hat ja nicht nur mit Corona zu kämpfen und das mindestens noch ein Jahr.

Wir haben eine fundamentale Veränderung der Wirtschaftsbeziehungen (Protektionismus, Handelskriege sind nur ein paar Beispiele). Hinzu kommt, dass viele Unternehmen die negativen Auswirkungen der Globalisierung massiv zu spüren bekommen und viele Branchen bereits heute neue Strategien für die Zuliefererstruktur entwickeln. So werden im Medizinbereich in der Europäischen Union Produktionskapazitäten geplant, um von Produkten oder Teilen aus China unabhängig zu werden.

Dann müssen wir die rasante Entwicklung virtueller und digitaler Instrumente einbeziehen. Zugegeben, was auf sozialen Netzwerken schon fast hilflos wirkend als Messealternative angeboten wurde kann noch kein Ersatz für eine Messe sein.

Aber die Entwicklung ist nicht aufzuhalten und wird so manche «smarte Messe» entstehen lassen. Zumal der Anteil der internet-affinen Millenials unter den Business:to:Business-Entscheidern stetig wächst, was bereits heute zur Folge hat, dass der Business:to:Business-Entscheidungsprozess längst nicht mehr von den Anbietern bestritten wird. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es noch eine Business:to:Business-Messe geben wird, zu der ein Aussteller im Gigantismusrausch zehn Tieflader mit seinen Maschinen transportiert.

Interessanterweise hat der AUMA 2012 zwei bemerkenswerte Szenario-Analysen für Business:to:Business- und Business:to:Consumer-Messen über die Hochschule Leipzig herausgegeben. Das Erschreckende ist, dass nicht nur eines der beschriebenen Szenarien schon Realität geworden ist, sondern fast jedes Szenario Bruchstücke unserer Wirklichkeit 2020 beschreibt.

Nur konnte ich bisher nicht erkennen, dass ganz unabhängig von Corona Messeveranstalter oder Aussteller von diesen Analysen Kenntnis genommen und neue Strategien für die Kommunikation entwickelt haben. Es war halt so bequem im alten Schema.

Die Messewirtschaft wird wohl kaum zu früheren Erfolgen zurückkehren. Außer sie verpflichtet sich radikal neuen Strategien. Es klingt so abgegriffen, ist es aber nicht: Das #New Normal für die LiveCom-Wirtschaft wird digitale Transformation bedeuten auf dem Weg hin zu hybriden, digitalen und Live-Messen und Events. Und zu erweiterten Geschäftsmodellen. Daran führt kein Weg vorbei.

*Elke Clausen ist frühere B2B-Messeconsulterin und Autorin/Herausgeberin von «Auf Messe-Erfolg programmiert. Digitale Transformation. So revolutionieren Sie Ihre Leadgenerierung.»