Marken erleben: «Der Feelgood-Faktor auf der Messe zählt»

Die persönliche Begegnung und das Erlebbarmachen der Marke im Raum ist für Doppelleu Boxer Grund, auf der Igeho in Basel auszustellen. Jetzt prüft man, ob der preisgekrönte Auftritt neu lanciert wird.


by Christine Roth* | 5. Mai 2021



Grüezi Frau Roth, was beschäftigt Sie zur Zeit am meisten und lässt Sie nicht schlafen?

Selbstverständlich ist COVID-19, die damit verbundenen Massnahmen und die daraus resultierenden Folgen eine Tatsache, die unser tägliches Denken und Handeln beeinflusst. Den Schlaf rauben, darf uns das nach dieser ganzen Zeit allerdings nicht mehr, dauert es schon länger als ein Jahr an.


Wie hat die Corona-Ära das Kerngeschäft von Doppelleu Boxer beeinflusst?

Auch unsere Brauerei leidet unter den nicht stattfindenden Anlässen, Events, Messen und Festivals. Dass die Gastronomie so lange unten durch musste und noch immer muss, spüren wir ebenfalls – vor allem jedoch emotional, weil jeder Einzelne mit einer individuellen Ausgangslage und einigen Auswirkungen betroffen ist. In unseren Büchern verzeichnen wir dadurch einen Ausfall, der nicht durch den Detailhandel ausgeglichen werden kann.


Im November soll in Basel die Fachmesse Igeho über die Bühne gehen. Wie ist Ihre Stimmungslage dazu: findet sie statt?

Die Gespräche führen wir dieser Tage in der Tat. Für uns ist die Igeho ein Ort der Begegnung. Ob sie denselben Stellenwert erreichen kann, wenn wir unsere 27 Biersorten, das Weinangebot und die Spirituosen nicht zur Degustation anbieten dürfen, steht momentan im Raum. Ausserdem unterliegen die persönlichen Begegnungen vermutlich auch im November noch Einschränkungen. Dies könnte qualitativ wie auch quantitativ so starken Einfluss auf unseren Messeerfolg haben, dass wir gerade sehr gut abwägen, was überhaupt Sinn macht.



Wie wichtig sind für Doppelleu Boxer Messen wie die Igeho? Was können Messen, was «digital» für Doppelleu Boxer nicht kann?

Einerseits sind für uns die persönlichen Begegnungen wie erwähnt wichtig. Anderseits ist es das räumliche Erlebnis unserer Marke, welches wir mit unserem Messestandkonzept einzigartig umgesetzt haben. Und zu guter Letzt arbeiten wir mit einem Produkt, das man mit eigenem Gaumen schmecken muss, über das man reden und etwas erzählen oder halt eben hören möchte. Wir versuchen die digitalen Medien so stark wie möglich auszureizen – ob eine virtuelle Messe als weitere Plattform da zusätzliche Anreize bieten könnte, entzieht sich meiner Erkenntnis.

«Enorm wichtig ist unsere emotionale Wahrnehmung

während der Messe: Wie haben sich unsere Gäste mit uns gefühlt?»

Was ist für Sie als Aussteller ein gutes Messeerlebnis?

Wenn Besucher unseren Messestand betreten, in eine andere Welt eintauchen und man die Begeisterung in ihren Gesichtern ablesen kann. Genau das ist das Ziel, welches wir mit unserem Auftritt anstreben. Wenn dann unsere Produkte die damit verbundene Erwartung, Spannung und Begeisterung erfüllen, verlässt uns der Messegast mit einem positiven Gefühl, das lange anhält und das er mit unserer Marke verbindet. Dann haben wir ein unvergessliches Messeerlebnis für Dritte und uns geschaffen.



Welche Überlegungen entscheiden für Doppelleu Boxer pro und kontra einen Messeauftritt? Und wie machen Sie den Messe-Erfolg messbar?

Die Frage, an welche Zielgruppen wir gelangen können, stellt sich meist zuerst. Geht es um die Pflege der bestehenden Kunden oder bietet sich die Möglichkeit, neue Kundengruppen anzusprechen?


Wir laden Kunden und Gäste ein, freuen uns über den Besuch und halten die Kontakte fest. Dies wird mit unseren Erwartungen verglichen und ergibt die quantitativen Messfaktoren. Qualitativ hören wir zu, erfassen Kritik, Lob und Anregungen zu jedem möglichen Thema und analysieren das gemeinsam im Team.


Enorm wichtig ist unsere emotionale Wahrnehmung während der Messe: Wie haben sich unsere Gäste mit uns gefühlt?


Wie wichtig sind neben Messen soziale Netzwerke für den Vertrieb von Doppelleu Boxer?

Wir versuchen, die Klaviatur des Marketingmixes umfassend und virtuos zu bedienen. Aber auch hier sind Veränderungen stetig: Vor zwanzig Jahren hat man Social Media noch nicht ein so grosses Gewicht beigemessen wie heute. Wer weiss, was in fünf Jahren sein wird? Was wiederum in zwanzig? Wir bleiben jedenfalls gespannt und werden die Tendenzen beobachten, um agil darauf reagieren zu können.


*Christine Roth ist Leiterin Marketing Doppelleu Boxer, Winterthur. Doppelleu ist Xaver-Preisträger 2020 für den Messestand auf der Igeho 2019 von Messerli.Live.


Interview: Urs Seiler