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Messebautalk: «Die Angst liegt tiefer als wir meinen»

Aussteller auf Messen haben bisher verhalten auf den vom Bundesrat entwickelten sogenannten «Schutzschirm» für Veranstalter reagiert, die große Erleichterung ist noch nicht eingetroffen.


by Urs Seiler | 6. Mai 2021



Schutzschirm: positives Signal für die Messewirtschaft

Ein Messebauer sagte: «Einer der Gründe liegt darin, dass Messen immer noch in einen Topf mit Veranstaltungen, meist mit Festivals, geworfen werden. Das ist falsch. Ich wehre mich dagegen. Aber die Angst vor solchen Volksfesten schwappt über in eine Skepsis gegenüber Fachanlässen mit Firmenpublikum. Diese völlig unbegründete Angst liegt tiefer als wir meinen. Das ist einer Messe nicht förderlich.» Nötig sei jetzt ein «Spirit der Öffnung».


Vorschau: Der Messepionier Urs Albert Ingold sagt in seinem Editorial vom Samstag, 8. Mai «Angst essen Seele auf» (Filmtitel von Rainer Werner Fassbinder), wie wichtig jetzt positive Botschaften in der Veranstaltungsbranche sind, da es sich namentlich in Messen und Kongressen um alles andere als Volksfeste handelt. Er sagt: «Die positiven Botschaften von Bund und Kantonen sind pures Geld wert. Jede Veranstaltung, die nicht verschoben oder abgesagt wird, muss auch nicht vom Steuerzahler finanziert werden.»


Wie sicher sind jetzt die Herbstmessen?

Der schweizerische Bundesrat hat im April eine Öffnung für Großveranstaltungen ab dem 1. Juli mit bis zu 3'000 Personen und ab dem 1. September mit bis zu 10'000 Personen in Erwägung gezogen. Was bedeutet das jetzt für eine traditionelle Publikumsmesse wie die OLMA vom Oktober 2021 in St. Gallen mit bis zu 350'000 MessebesucherInnen?


Die OLMA findet vom 7. – 17. Oktober, also über 11 Tage statt in neun Messehallen und mit einem Außenbereich. Das ergibt theoretisch 3'181 BesucherInnen pro Messehalle respektive Messezone. Entwarnung!


Die OLMA-Direktorin (CEO) Christine Bolt sagte am 13. April 2021: Zum heutigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass die OLMA stattfindet. Achtung: Heute, 16.Uhr, Stand-Up Livestream über die Zukunft von Messen und Events durch die Olma-Messen.


Was die Schutzmaßnahmen betrifft ist daran zu erinnern, dass Messebetreiber zu den ersten gehörten, die elaborierte Schutzkonzepte, etwa das Registrierungsobligatorien vor einer Messe und viele weitere schnell entwickelten.


Kurzarbeit muss jetzt weiter gehen

Trotzdem prognostizieren die Teilnehmer des Messebautalks unisono einen schwierigen Messeherbst 2021, das in einem Votum zum Ausdruck kam: «Ich glaube, das wird ein schwieriges zweites Messehalbjahr.»


«Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass die Härtefallprogramme der Kantone weitergehen, ebenso wie die Verlängerung der Kurzarbeit von 12 auf 18 Monate» lautet der Tenor.


Hybrid wird bleiben, aber die Wirtschaft braucht dringend physische Verkaufspunkte

Einer der anwesenden Messebau-Unternehmer, dessen Firma selber mit hybriden Events für sich selber und für Kunden unterwegs ist, sagt zum vieldiskutierten Thema «Digitalität»: «Hybride Messen und Events werden bleiben. Aber der Mensch will keine digitale Messen.»


Ganz im Gegenteil: Durch die Unmöglichkeit, Messen nicht durchzuführen sei bei der ausstellenden Wirtschaft ein großer Nachholbedarf an physischen Verkaufspunkten spürbar. Bei neunzig Prozent aller Anfragen handle es sich um Roadshows, mit denen die Kunden zu ihren Kunden hingingen.


Namentlich in der Uhrenindustrie sei eine starke Nachfrage nach Live-Events, eine Art Renaissance zu spüren. «Die Wirtschaft sucht jetzt aktiv wieder Marketingevents mit Erlebnis-Charakter» war der Tenor.


Einig war man sich, dass die Konzentration der Messen in der Schweiz wegen der Schwäche des größten Veranstalters, der MCH Group, und durch die Transformation durch Covid-19 weiter gehen wird. «Messeanfragen von Ausstellern sind in der Zahl höchst bescheiden und von den meisten Fachmessen hört man überhaupt nichts» wurde gesagt.


Es gäbe Verschiebungen in den Marketingetats der werbetreibenden Wirtschaft, Messen würden wegen dem Wettbewerb durch andere Kommunikationsinstrumente, dem aktuell fragwürdigen Ruf der Messe als Präsentationsbühne und den während Covid-19 gekürzten Werbebudgets tendenziell kleiner.


Einig war man sich in Bezug auf ein Wiederaufleben von Messen: «Wir werden wieder ohne Masken auf Messen gehen, wenn der größte Teil der Bevölkerung geimpft ist – und das könnte bereits im Herbst 2021 der Fall sein.»



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