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Veranstaltungsmarkt: «Die Stimmung ist getrübt»

Corona hat zu einer Zäsur im MICE-Business geführt. smartville.digital-Kurzinterview mit Jörn Raith, Vorsitzender des Vorstandes DeGeFest, Verband der Kongress- und Seminarwirtschaft.


by Jörn Raith | 7. Juni 2021



Herr Raith, wie ist die Stimmung bei den DeGeFest-Tagungsstätten und in der deutschen Tagungsindustrie allgemein?

Die Stimmung unter den DeGeFest-Mitgliedern ist getrübt – klar.


Die Tagungsstätten, genauso wie die ganze Veranstaltungsbranche, wurden sehr stark durch die Covid-19-Pandemie getroffen, und zwar sowohl wirtschaftlich als auch in Bezug auf die fehlenden, in unserer Branche so wichtigen Kontakte. Dabei meine ich nicht nur die direkten Kontakte der Tagungsstätte zu den eigenen Kunden, sondern auch die zu sämtlichen Lieferanten vor Ort, mit deren Hilfe die Veranstaltung erst zu dem werden, wie wir sie alle schätzen und auch lieben: die Hotellerie, die Gastronomiebetriebe, die Kultureinrichtungen, die Transportunternehmen und nicht zu vergessen die so wichtigen Techniklieferanten.


Nun, ich habe schon den Eindruck, dass wir alle im letzten Jahr gelernt haben, mit der Pandemie zu leben, damit umzugehen. Alle kurzfristigen, notwendigen Hygienemaßnahmen wurden vollumfänglich erfüllt. In vielen Häusern wurde alles versucht, bereits gebuchte, aber auch mögliche neue Veranstaltungen durchzuführen. Rein digital wie auch in Form hybrider Formate.


Das eigene Knowhow hinsichtlich der erweiterten Veranstaltungstechnik sowie der Online-Performance wurde deutlich ausgebaut. Notwendige Zusatzinvestitionen in schnellere Internetverbindungen – soweit nötig - wurden getätigt, um hybride Tools und auch Streamingdienste zu gewährleisten.


Positiv ausgedrückt haben wir die Krise genutzt, um uns technisch weiterzuentwickeln und unser Personal diesbezüglich bestmöglich auszubilden.


Prof. Dr. Jerzy Jaworski, der die Studie geleitet hat.



Mit den neuen Erkenntnissen aus der Pandemiezeit und dem Wissen, eine treue Kundschaft sowie die unterschiedlichen Dienstleistungsunternehmen hinter sich versammelt zu haben, bleibt, dass wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.


Ein Resultat der DeGeFest-Studie «Durchstarten in der Krise» lautet, «generell werden weniger Gäste erwartet». Mit welchen Konsequenzen für Ihre Tagungshäuser?

Wenn auch die wirtschaftlichen Einbußen die Tagungsstätten deutlich getroffen haben, ist eine positive Stimmung bei den Anbietern wie auch in der Kundschaft in Bezug auf die Zukunftsaussichten der MICE-Branche erkennbar. Gute bis sehr gute Buchungszahlen für die nähere Zukunft lassen die Verantwortlichen der Tagungsstätten hoffen, dass schon bald die Umsatzzahlen das Rekordniveau des Jahres 2019 erreicht werden können. Laut Aussagen der Befragten erwartet man das bereits im Jahr 2023.


Dazu eine Aussage aus unserer DeGeFest-Trendanalyse: Viele unserer Kunden signalisieren uns: «Wir warten schon darauf, uns alle wieder zu treffen. Wir freuen uns sehr, bald wieder zu ihnen kommen zu dürfen.»


Eine Kernaussage lautet: «Die rein digitalen Veranstaltungen bekommen kein Oberwasser, wir werden eine Renaissance der (physischen) Begegnung erleben.» In welchem Zeithorizont denken Sie wird das der Fall sein – und als DeGeFest-Präsident, was ist diesbezüglich Ihre Hoffnung? Inwiefern glauben Sie, wird diese Renaissance anhaltend sein, sogar einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung in der Tagungswirtschaft bewirken?

Die Ursehnsucht des Menschen, sich zu begegnen, wird weiterleben. Sie kann nicht durch digitale Veranstaltungsformate vollständig ersetzt werden. Die Live-Übertragungen sowie das Integrieren wichtiger Persönlichkeiten innerhalb einer Präsenz-Veranstaltung sind sinnvolle Ergänzungen eines Präsenzevents. Aber diese Formate hatten wir schon vor der Krise. Ich möchte nicht so weit gehen, und von einer neuen Renaissance sprechen, aber ich glaube fest daran, dass unsere Tagungswirtschaft sehr robust ist und auch in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.


«Ich möchte noch nicht von einer neuen Renaissance sprechen.»


Ein anderer Tenor der Studie lautet, «dass sich Investitionen in eigene Digitaltechnik nicht lohnt», sondern dass die Zusammenarbeit mit einem IT-Partner kostengünstiger sei. Welche Hilfestellung an Kontakten und in der Ausbildung kann hier DeGeFest anbieten?

Die meisten Tagungsstätten verfügen über ausgewählte Dienstleistungspartner, die eine bedarfsgerechte Telekommunikationstechnik anbieten. Sie haben auch das nötige Wissen, was die Tagungsstätte benötigt. Auf der anderen Seite können wir als Verband entsprechende Hilfen anbieten, geeignete Partner zu finden. Das betrifft gleichermaßen die benötigte Technik wie auch die entsprechende Wissensvermittlung.


«Ich glaube, dass die meisten Veranstaltungszentren erstarkt

aus der Krise hervorgehen werden. Hoffentlich schon 2023.»


Wer werden die Gewinner und Verlierer im Veranstaltungsgeschäft sein, wenn die Pandemie vorüber ist?

Betrachtet man die gesamte Veranstaltungswirtschaft, so wird es – auch mit Blick in die Zukunft – Gewinner und Verlierer geben. Gewinner, die in den Covid19-Zeiten beispielsweise Impfzentren aufnehmen konnten oder können. Aber auch Verlierer, die das rettende Ufer nicht mehr erreichen könnten oder können. Ich glaube jedoch, dass die meisten erstarkt aus der Krise hervorgehen werden. Um die Zahlen des Referenzjahres 2019 allerdings wieder zu erreichen, wird es noch ein wenig dauern. Hoffentlich schon 2023. Daran glaube ich.



Die vollständige Studie steht degefest-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung und wird durch die Geschäftsstelle verschickt. Weitere Interessierte können die Studie per Mail unter info@degefest.de anfragen.

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