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Auf der boe international wurde Vertrauen angesagt: Aber der Live Markt ist polarisiert und wird härter

Die angespannte wirtschaftliche und politische Lage in Europa spiegelt sich drastisch in der Live Kommunikationswirtschaft. Sie zog sich wie in roter Faden durch die boe international in der Messe Dortmund, in den Gesprächen und am Abend des BrandEx-Awards - letzterer mit dem grandiosen dreifachen Preisträger Live Lab aus der Zürich. Joe Pine II lanciert «Transformation Economy».

 

von Urs Seiler || Dortmund, 16. Januar 2026

 

Bild: BrandEx-Award auf der boe international.

 

Wenn man mit die boe international besuchenden und auf ihr ausstellenden Branchendienstleistern wie Messebauer, AV-Profis und Eventagenturen spricht, zeichnen sie ein ziemlich angespanntes Bild der Lage in der Live Kommunikation.

 

Gut, dass es die boe international gibt, denn sie ist jedes Jahr eine Brücke für viele Aussteller, aber auch BesucherInnen, ihr Geschäftsjahr zu lancieren und mit neuen und bestehenden Kunden zu sprechen.

 

Menschen, Begegnungen, Teamwork: Nur Vertrauen überwindet die Krise


von links: Sabine Loos, Markus Illing, Maarten Schram, LiveCom Alliance, Robin Uhlenbruch.


Sabine Loos, CEO der Messe Dortmund, die Veranstalterin der boe international, machte traditionsgemäss den Auftakt. «Wir erleben gerade, wie stark sich die Eventindustrie verändert - technologisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Deshalb hat sich die boe international gewandelt, sie ist mehr dialogorientiert, weil sich die Gesellschaft verändert hat. Diesem Trend haben wir uns angepasst mit Menschen, Begegnung, Teamwork, Vertrauen und Talent - wir brauchen heute Eventformate, die die Wirtschaft prägen», sagte sie an der Auftaktpressekonferenz am 14. Januar.

 


Eine Branche unter Druck: Der Markt wird nicht grösser - er wird härter



Dann war es Zeit für Markus Illing, früher Voss und Partner und heute Inhaber von See You on Monday, mit seiner bekannt scharfsinnigen Branchenanalyse.

 

«Der Livemarkt wächst nicht einfach, er polarisiert sich. Auf der einen Seite sehen wir grosse Player, die international skalieren. Auf der anderen Seite finden sich kleine, hochflexible Spezialisten. Dazwischen gerät die klassische Mitte der Branche massiv unter Druck», sagte er.

 

Das wars aber noch nicht von Markus Illing: «Wahres Vertrauen ist Begegnung. Das zeigt die wachsende Bedeutung der Live Kommunikation auf. Aber wenn Live-Kommunikation Vertrauen herstellen soll, reicht es nicht mehr, gute Events zu machen. Live wird vom Highlight zum strategischen Führungsinstrument.»

 

Und für seine eigene Branche, die kleinen und mittleren Live Kommunikationsagenturen, sagte er: «Internationalisierung ist für viele keine Frage des Wollens mehr. Unsere Kunden denken europäisch oder global. Die entscheidende Frage ist, ob wir selbst die Strukturen und Ressourcen und Zugänge zu Märkten und Netzwerken haben. Für viele wird das nur über Kollaborationen und neue Zusammenschlüsse funktionieren.»

 

Unnötig zu unterstreichen, dass das Thema Künstliche Intelligenz Teil der Debatten auf der boe international war. «Es gibt kein Gegeneinander Live vs Digital», sagte Sabine Loos im Hinblick auf die Nutzung von KI. Und: »KI schafft Kapazitäten» führte der Pressechef der boe international, Robin Uhlenbruch, aus. Und Markus Illing: «Wir alle werden mit Künstlicher Intelligenz effizienter werden müssen, das führt auch dazu, dass wir (Anmerkung: Angehörige der Live Kommunikation) unser Geschäftsmodell überdenken werden.»

 


Internationale Aussteller

Die boe international 2026 bietet ein international geprägtes Ausstellerportfolio aus allen relevanten Disziplinen der Branche: Mehr als 400 Aussteller und Marken präsentierten Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Auslandsanteil der Aussteller ist seit dem Neustart nach der Pandemie zum dritten Mal in Folge gestiegen. Insgesamt sind Unternehmen aus 12 Ländern vertreten, darunter u. a. China und Singapur, ebenso wie Aussteller aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden oder Österreich.

 

Erlebnis schlägt Information - die boe international 2026 Spiegel der Kunden


Harry Hofstetter, Lilya Berton, Philippe Theiler, Trihow, Rotkreuz, Schweiz.


Harry Hofstetter:«Trihow besucht jährlich über 50 Messen. Die boe international ist eine Vorbildmesse für Erlebnisse - wie für unser Gehirn gemacht, weil es im Marketing entscheidend ist, Dinge, Prozesse, Firmen be-greifbar zu machen. Das ergibt dann eine Summe von Marketing-Erlebnissen, die anderswo als auf der Messe nicht existieren. Wir gehen auf Messen wie die boe international, um Kunden, die selber ausstellen, zu inspirieren. Während Online-Events Reichweite ermöglichen, schaffen physische Messen Vertrauen, Beziehung und Markenerleben – wenn sie neu gedacht werden. Denn: Erlebnis schlägt Information. Erlebnisse sind die neue Marketing-Währung.

 

Jérôme Poulalier, Besucher, GC Experts, Frankfurt: «Die boe international ist viel besser und professioneller geworden.»

 

Martin Stegmann, Marketing Manager, hms design solutions, Heilbronn:

«hms design solutions als Eventausstatter nimmt seit Jahren als Aussteller auf der boe international teil. Sie ist die Hauptmesse zur Ansprache von Agenturen und Messebauern, die wir beliefern. Heute, am ersten Messetag, ist gefühlt mehr los als früher und die Gespräche, die wir führten, waren qualitativ gut.»

 

Carolin Foppe, L&S GmbH & Co. KG, Veranstaltungs- und Messetechnik, München:

«Die boe international ist echt gut gestartet, es ist deutlich mehr los als letztes Jahr. Sie ist unsere traditionelle Branchenmesse, wir sind echt zufrieden. Wirtschaftlich sind die Kunden der Veranstaltungswirtschaft zur Zeit sehr verhalten, aber unsere Kunden sind hier auf der Messe. Das kann gerne so weiter gehen.»

 

von links: Robert Bachmann, Florian Risse und Maja Holzmann, Deutsche Messe.


Robert Bachmann, Director Venue Sales, Deutsche Messe AG, Hannover:«Wir sind ja Teil der europäischen Eventwirtschaft – und die boe international ist für uns der maßgebende Treffpunkt dieser lebendigen Community. Hier kommen die Akteure zusammen, die Live-Kommunikation weiterdenken, neue Formate entwickeln und Events mit echtem Mehrwert gestalten.

 

Mit unserer Marke „Messegelände Hannover“ stellen wir großen Unternehmen eine leistungsfähige Plattform für Corporate Events zur Verfügung. Auf der BOE zeigen wir anhand erfolgreicher Use-Cases, wie unsere Messe- und Eventexpertise in der Praxis wirkt: Von Live-Kommunikation über Hausmessen bis hin zu individuellen Markenauftritten – Veranstaltungen auf dem Messegelände Hannover werden strategisch geplant, professionell umgesetzt und nachhaltig wirksam.

 

Parallel dazu wächst unser Team weiter: Aktuell suchen wir, auch auf der boe international, einen Marketing & Brand Manager, der unsere Marke gemeinsam mit uns weiterentwickelt und die Zukunft der Veranstaltungsformate aktiv mitgestaltet.»

 

Tom Koperek, Geschäftsführender Gesellschafter, GrandHall, Essen:


«Für uns gehts es auf der boe international darum, dass wir hier Entscheider aus dem Mittelstand und der Industrie treffen, da sind wir auf der boe in Dortmund als lokale Eventlocation aus Essen erste Wahl. Auf der boe international machen wir vielversprechende Kontakte, auch neue. Wie immer zeigt sich der Erfolg eines Auftritts aber erst Messeschluss. Aber unseren Kunden geht es nicht gut, das spüren wir auch hier auf der Messe, Live-Veranstaltungen tendieren eher zu kleinen Formaten. Wenn ein Event in der GrandHall vor noch drei Jahren im Schnitt 600 bis 700 Personen hatte, sind bewegen sich die BesucherInnenzahlen heute im niedrigen dreistelligen Bereich um die 100.

 

Gefühlt sah man dieses Jahr auf der boe international weniger Aussteller und weniger Besucher. Kunden sind da, es sind aber weniger mit tendenziell kleineren Etats für kleinere Veranstaltungsformate. Und es scheint ein Paradigmawechsel im Gang: in der Vergangenheit haben die Kunden uns gefunden, jetzt müssen wir vermehrt die Kunden suchen. Diesen Trend sehen wir auch an den Anfragen, die unabhängig von der Messe reinkommen.»

 

Messebericht boe international



Wow - das brummte wieder mit BesucherInnen in Halle 7 der boe international und in Halle 4 - und niemand kommt um Halle 5 mit den Verbands- und Netzwerkpartner herum. Mein persönliches Highlight dieses Jahr war aber die Halle 6 mit den Action-Künstlern.

 

Der Messeprofi Lars Lockemann sagt zur boe international 2026 auf LinkedIn: «Und die BOE selbst? Ein Jahrmarkt und Bauchladen unserer Branche. Von Eventtech bis Zauberei ist alles dabei. Das löst bei manchen gemischte Gefühle aus, aber ich mag genau das. Es zeigt, wie bunt und divers die Eventszene jenseits von Hochglanzprojekten ist. Und als Klassentreffen taugt sie allemal.»


BrandEx Award: And the winner is ... Live Lab!



Einen grandiosen Auftritt hatte die Züricher Event-Agentur Live Lab am BrandEx-Award mit je einer Bronze-, Silber- und Goldauszeichnung. Der vollständige Bericht zum BrandEx-Award 2026 folgt hier in den nächsten Tagen.


Live Lab Gründer Max Souchay (links) mit Jonathan Schwarz.


TAKE OUTS: Buchneuerscheinung «Transformation Economy»



Es ist soweit. Die Transformationswirtschaft ist der Erlebniswirtschaft dicht auf den Fersen. Jetzt kommt der grosse Vordenker der «Erlebniswirtschaft», Joe Pine II, mit seiner neusten Bucherscheinung «Transformation Economy. Beyond Experience». Aus dem Inhalt: Transformationen bieten einen viel größeren Mehrwert als Erlebnisse, weil sie die Kunden innerlich erreichen und sie von innen heraus verändern. Bestimmen sie, in welchem Geschäftsfeld sie wirklich tätig sind, und steigen sie zu der Aussage auf, dass sie Transformationsbegleiter sind, die es der Menschheit ermöglichen, sich zu entfalten (Kapitel 2)». («Transformation Economy» ist auf Englisch erhältlich)


Transformation Economy-Vernissage: Amsterdam, 23. Januar 2026


Bild anklicken und teilnehmen.


Eine Buchbesprechung folgt.



 
 
 

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