«Ein Innovationsökosystem lässt sich nicht staatlich verordnen»: Wie auf der preXcon in St. Gallen aus einer Idee eine technologische, wirtschaftliche Lösung wird
von Urs Seiler || 6. November 2026

Die St.Galler Kantonalbank Halle wurde vom 3. bis 5. November zum Treffpunkt der High-Tech-Industrie. Rund 2000 Fachbesuchende nutzten die neue Fachveranstaltung preXcon Kongressmesse für Präzisionstechnologie für den Innovations- und Technologietransfer in der Präzisionstechnik, um sich mit aktuellen technologischen Herausforderungen auseinanderzusetzen, Anwendungen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.

Die Moderatorin Vanessa Ledergerber (links) mit Olma Messen CEO Christine Bolt.
«Wir wollen Forschung, Industrie und Wirtschaft zusammenbringen, wir wollen den Technologietransfer beschleunigen und wir wollen einen Ort schaffen, an welchem das Wissen vieler Einzelner die eigene Bubble verlässt», sagte Christine Bolt, CEO des Veranstalters Olma Messen am Eröffnungsanlass der preXcon Kongressmesse für Präzisionstechnologie am 4. November.

Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner mit Moderatorin Vanessa Ledergerber.
«Als Regierung haben wir es uns in unserer Schwerpunktplanung 2022-2035 zum Ziel gesetzt, die Standortattraktivität und die Innovationskraft des Kantons weiter zu erhöhen. Ein Innovationsökosystem lässt sich allerdings nicht staatlich verordnen. Unsere Aufgabe als Staat ist es vielmehr, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, Vernetzung zu ermöglichen und dort Impulse zu setzen, wo gemeinsames Handeln einen Mehrwert schafft» sagte der Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor des Kantons St. Gallen, Beat Tinner. «Wir müssen die Rahmenbedingungen setzen, dann müssen die Unternehmen wirken», ergänzte er.
Eine Säule des preXcon-Netzwerkes stellte der Beitrag von Bund und Kantonen dar: Dank der NRP-Förderung und der Unterstützung der Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Graubünden, Schwyz, St.Gallen und Thurgau können der Content Hub sowie der High Tech Innovation Hub ihre Wirkung weit über die Kantonsgrenzen hinweg entfalten.
Content Hub: Wenn Wissen neue Lösungen hervorbringt

Die Inhalte des Content Hubs, des Fachkongresses der preXcon, entstehen in Zusammenarbeit mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Branchenpartner:innen. «Die preXcon schafft eine hervorragende Brücke zwischen innovativem Denken und konkreter Umsetzung», sagt Knut Siercks (Bild oben), Director School of Engineering, OST – Ostschweizer Fachhochschule. «Hier treffen aktuelle Herausforderungen der Industrie auf innovative Ideen und konkrete Anwendungen. In den Sessions werden Erkenntnisse aus Forschung und Wirtschaft interaktiv zusammengeführt und zu neuen Lösungsansätzen weiterentwickelt. So entsteht Raum für Austausch, frische Impulse und wertvolle Verbindungen.»
Technologien und Anwendungen auf dem Marktplatz
Auf dem Marktplatz, der Fachausstellung der preXcon, präsentierten 120 Ausstellende den 2'000 BesucherInnen ihre Technologien, Produkte und Lösungen für die High-Tech-Industrie. Guided Tours führten im Anschluss an ausgewählte Sessions zu thematisch passenden Ausstellenden und Anwendungen auf dem Marktplatz. Fachbesuchende konnten so die im Content Hub behandelten Fragestellungen mit konkreten Technologien und Lösungen verknüpfen und direkt mit Fachpersonen ins Gespräch kommen.
Yes, but? Sure, how?
Messen sind heute viel, viel mehr als Exponateschauen. Sie sind Foren der Wissensgesellschaft und ein Blick in die Zukunft der Technologie. Es braucht Mut, ein so vielschichtiges Event wie die preXcon auf die Beine zu stellen.

Die preXcon ist Teil der Wachstumsstrategie der Olma Messen St.Gallen, mit der sie ihr Portfolio gezielt um neue Fachformate erweitern. «Diese erste Ausgabe war ein Prototyp: Jetzt werten wir gemeinsam mit Ausstellenden, Fachbesuchenden und Partner:innen aus, was funktioniert hat und was der Markt künftig braucht. Ein neues Fachformat entwickelt und etabliert sich über mehrere Durchführungen. Mit diesen Erkenntnissen gehen wir in die nächste Runde», sagte Katrin Meyerhans, Stv. CEO und Leiterin Produkte der Olma Messen St. Gallen mit OLMA Co-Messeleiterin Melanie Frei.
Jetzt sieht es danach aus, dass dieser Mut belohnt wird. 2’000 Fachbesuchende sind zwar nicht überwältigend viel für eine Fachmesse. Aber das entscheidende Kriterium ist deren Kompetenz und Entscheidungsfähigkeit und dazu haben wir sowohl von Ausstellenden und Messe-Besuchenden als auch dem Veranstalter OLMA Messen Positives gehört.
Max Stahlschmidt,Senior Software Test Engineer bei CodeMax Software GmbH, nutzte die preXcon, um neue Kontakte in der Schweiz zu knüpfen: «Unsere Kundinnen und Kunden kommen bisher vorwiegend aus Deutschland. Die preXcon bot uns die Gelegenheit, den Schweizer Markt stärker zu erschliessen. Der Austausch war sehr gut.»
Die beteiligten Start-ups nutzten die preXcon zur Vernetzung. «Sie erhielten einen unkomplizierten Zugang zu Fachpersonen und Unternehmen und konnten ihr Netzwerk gezielt erweitern», sagt Diego Probst, Leiter Startfeld.
Auch für Marco Näf, Area Sales Manager bei Maxon Switzerland AG, hat sich die Teilnahme gelohnt: «Wir haben qualitativ hochwertige Gespräche mit neuen und bestehenden Kundinnen und Kunden geführt. Diese Qualität entsteht nur im persönlichen Austausch. Wir sind nächstes Jahr wieder dabei.»
OTS erstmals Teil der preXcon

Am dritten Veranstaltungstag war das 25. Ostschweizer Technologiesymposium (OTS) erstmals Teil der preXcon. Das OTS brachte sein etabliertes Netzwerk und seinen Fokus auf die industrielle Produktion in die Fachveranstaltung ein. Unter dem Leitthema «Produktion neu denken. Schnell. Smart. Nachhaltig» tauschten sich Fachpersonen aus der Industrie und der OST – Ostschweizer Fachhochschule über aktuelle Fragestellungen und Erfahrungen aus dem Produktionsalltag aus.
«Die Verbindung zwischen dem OTS und der preXcon gibt uns die Möglichkeit, verschiedene Kompetenzen und Perspektiven zusammenzubringen», sagt Rolf Wehrli (Bild oben), Präsident Produktions- und Technologieverbund Ostschweiz und Veranstalter des OTS.
Fazit
Nach einer Faustregel müssen Messen nach ihrer dritten Austragung profitabel sein. Diese Bewährungsprobe steht der preXcon naturgemäss noch bevor. Sie wird an der Zufriedenheit der Aussteller und der BesucherInnen gemessen und aus reellen Geschäften, die sich daraus ergeben.
CEO Christine Bolt zieht ein zufriedenes Fazit: «Neue Formate sind nie eine sichere Sache. Es freut mich, dass wir gemeinsam vorausgegangen sind und heute sagen können: Der Mut hat sich gelohnt» zog sie ihr Fazit.
Die nächste preXcon Kongressmesse für Präzisionstechnologie findet statt vom 9. bis 11. November 2027.
TAKE OUT: Impulse über die preXcon hinaus
Die Inhalte der preXcon bleiben über die Veranstaltung hinaus verfügbar: Im High Tech Innovation Hub können die Sessions des Content Hubs digital vertieft oder nachgeholt werden.




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