«Eine Bereinigung der Messelandschaft ist unausweichlich»

Messen bleiben wichtig als zentrale Geschäftsplattformen und als Teil der unternehmerischen Marketingstrategie. Auch für SYMA und ihren neuen Gruppenleiter und CEO SYMA Europe, Günter Weichselbaum. English below.


by Urs Seiler | 27. April 2021




Guten Tag Herr Weichselbaum, was beschäftigt Sie zur Zeit beruflich am meisten?

Müsste ich zwei konkrete Belastungen hervorheben, dann wäre es zum einen, dass es derzeit keine hundertprozentige Planbarkeit für unser Kerngeschäftsfeld, den Messebau in Europa, gibt und zum anderen, den immer deutlicher spürbaren psychischen Druck auf unseren MitarbeiterInnen.


Dieser hat sich aufgebaut durch die über ein Jahr andauernde Kurzarbeit und das damit einhergehende Fehlen von klaren wirtschaftlichen und persönlichen Perspektiven. Dies versuchen wir abzufedern sowohl mit Flexibilisierungen der Unternehmensstrukturen, um die Agilität der Firma weiter zu vergrößern, als auch mit Bildungsangeboten, intensiverem internen Austausch und vor allem mit Vorbereitungsmaßnahmen auf die Zeit, wenn Messen wieder stattfinden.


Aber ich bin überzeugt, dass Messen wieder erfolgreich stattfinden werden, so wie es im Mittleren Osten und China bereits der Fall ist.


«Ich sehe eine angepasste Messewirtschaft mit vergleichbaren gesamtwirtschaftlichen Ausmaßen in drei Jahren als durchaus denkbar.»


Sie waren schon vor Covid Geschäftsführer von SYMA Österreich, jetzt sind Sie Gruppenleiter bei SYMA. Welches werden die SYMA-Kernmärkte in Zukunft sein?

Die Kernmärkte bleiben Messen in allen Ausprägungen unter Berücksichtigung der möglichen Veränderungen der Formate, also hybrid, digital sales und weitere.


Basierend auf der SYMA-Dualstrategie werden wir künftig auch messe- und eventunabhängige SYMA-Leistungen ausbauen und weiterentwickeln, um uns im Markt breiter aufzustellen, um all unsere historisch gewachsenen Kompetenzen ausspielen zu können.


Wie wichtig bleibt das Heimgeschäft in der Schweiz?

Die Wichtigkeit der verschiedenen Märkte bleibt unverändert.


Wie wichtig sind Deutschland, China?

Deutschland und China verkörpern die größten Messemärkte weltweit. SYMA wird auch diesen weiterhin die entsprechende Aufmerksamkeit zukommen lassen.


Aufgefallen ist, aus der Webadresse «syma.ch» wurde «syma.com». Was ist anders bei SYMA?

Diese Anpassung begründet sich in der marketingstrategischen Entscheidungen, eine Corporate Landingpage für alle Ländergesellschaften zu haben. Dadurch schaffen wir eine gesamtheitliche Abbildung der vorhandenen Strukturen als internationaler Konzern.

Wie wollen Sie mit SYMA in die Zukunft?

Unsere Zukunft soll eine Weiterführung der SYMA-Erfolgsgeschichte im Messe- und Eventbau bringen, eine gezielte Erweiterung durch neue, strategische Partnerschaften aufzeigen und eine höhere Produktvielfalt mit speziellen technischen Produkten schaffen.

Gibt es eine Transformation, einen notwendigen Turnaround?

Nein, lediglich eine Schärfung und wo nötig eine Adaptierung unserer Prozesse. SYMA glaubt an die Wichtigkeit und den Fortbestand von Messen für den wertvollen, persönlichen Austausch zu Schwerpunktthemen - zeitlich und örtlich konzentriert. Messen bleiben wichtig – als zentrale Geschäftsplattformen und als Teil der unternehmerischen Marketingstrategie.


Die Fachleute sind sich nicht einig, ob es in Deutschland zu einer Renaissance der flächenmäßig ganz großen Leitmessen kommen wird oder zu einem Rückgang, nicht zuletzt aufgrund der bestehenden Reisebeschränkungen und vielleicht später der Sparmaßnahmen in den Unternehmen. Welche Messewirtschaft sehen Sie in sagen wir drei Jahren?

Angenommen die Pandemie ist unter Kontrolle dürfte es seitens der Aussteller einen verhaltenen Messestart geben, mit kleineren Messeauftritten einzelner Aussteller, sozusagen ein «Antesten» der Messen post Covid.

Die Veranstalter sind gefordert, die Messeformate attraktiver zu gestalten, indem sie hybride Varianten anbieten, neue Formate ins Leben rufen, Messen noch stärker zum Erlebnis machen, sie nachhaltiger gestalten und durchführen und ihren Formaten einen Mehrfachnutzen verpassen.

Ich sehe eine angepasste Messewirtschaft mit vergleichbaren gesamtwirtschaftlichen Ausmaßen in drei Jahren als durchaus denkbar. Aber eine Bereinigung der Vielfalt an themengleichen Formaten wird über kurz oder lang unausweichlich sein.


Der Messeplatz Schweiz hat seine eigenen strukturellen Schwierigkeiten und die Schwäche des mit Abstand größten Veranstalters, der MCH Group. Inwiefern lässt sich hier überhaupt noch erfolgreich wirtschaften? Sehen Sie neue Geschäftsfelder?

Die Geschäftsbeziehung zwischen SYMA und der MCH Group ist eine lange, erfolgreiche und intensive. Die gesamte Messewirtschaft hat ihre Hausaufgaben zu machen, auch die MCH Group. Wir bemerken klare Anzeichen für eine dynamische Entwicklung. Das Schaffen von neuen Plattformen aber auch clevere Konzeptanpassungen von Bestehendem werden die kommenden Monate prägen. Der größte Schweizer Messeveranstalter verändert sich und als offizieller Messebaupartner unterstützen wir diese Erneuerung mit attraktiven Stand- und Komplettüberbauungskonzepten.


SYMA hat sich während Covid von Unternehmensbereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören wie zum Beispiel Audiotechnologie, verabschiedet. Mit welchen Überlegungen?

Grund dieser Entscheidung sind die Schnelllebigkeit der Entwicklung der audiovisuellen Technologie und die Nachfrage am Messemarkt nach State-of-the-art-Produkten. SYMA ist in dieser Frage einen Lösungsweg mit kompetenten, spezialisierten Partnern gegangen.


«Wird bei SYMA jetzt alles digital?»


Anderseits hat SYMA seine Markenbotschaft auf «we build d i g i t a l inspiration» erweitert. Mit welchem Angebot und welchen bisherigen Erfahrungen? Wird bei SYMA jetzt alles digital?

Beschleunigt durch den plötzlichen Stillstand am Messemarkt hat sich SYMA, in enger Zusammenarbeit mit strategischen Partnern, fundiertes Wissen auf dem Sektor «digital und virtuell» erarbeitet. So sind wir mit unseren Projekten weit über die Stufe des digitalen Zwillings hinaus gekommen und können unsere Kunden auch auf dem Weg zum «digital sales» begleiten.

Wie geht es jetzt weiter im Messe-und Eventgeschäft? Kommt es zu einer Renaissance der europäischen Messewirtschaft? Was ist Ihre Einschätzung?

Digitalisierung ist in allen Branchen unumgänglich geworden, gefördert durch den technischen Hype im Laufe der Pandemie.


SYMA ist überzeugt, dass die Digitalisierung bleiben und sich in vielen neuen Konzepten von Veranstaltern finden wird. Auch weil sehr viele positive Aspekte mit dem Angebot von digitalen Formaten einhergehen.


Denken Sie an die Auswirkungen der Pandemie auf die Reisebereitschaft oder der Reise-Einschränkung, an den steigenden Einfluss des Themas Nachhaltigkeit. Und an nachkommende Generationen, welche in einem komplett anderen Wertegefüge aufgewachsen sind, für die es normal ist, neue Medien und Technologien zu nutzen. Auch diese werden vom Fortschritt der Digitalisierung abgeholt – genau dort, wo sie sich technologisch befinden.


Interview: Urs Seiler


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«A shakeout of the trade fair landscape is inevitable»


Trade shows remain important as central business platforms and as part of the corporate marketing strategy. Also for SYMA and its new Group Head and CEO SYMA Europe, Günter Weichselbaum.


by Günter Weichselbaum | April 27, 2021



Hi Mr. Weichselbaum, what is your main concern at the moment?

If I had to highlight two specific burdens, then it would be, firstly, that there is currently no one hundred percent predictability for our core business area, exhibition stand construction in Europe, and secondly, the increasingly noticeable psychological pressure on our employees.


This has built up as a result of the furlough that has lasted for over a year and the associated lack of clear economic and personal prospects. We are trying to cushion this both by making the corporate structures more flexible in order to further increase the company's agility and by offering training programs, more intensive internal exchanges and, above all, measures to prepare for the time when trade fairs take place again.


But I am convinced that trade fairs will be successful again, as they already are in the Middle East and China.


«The entire exhibition industry has its homework to do,

including the MCH Group.»


You were managing director of SYMA Austria before Covid, and now you are group manager at SYMA. What will be SYMA's core markets in the future?

The core markets will remain trade fairs in all their forms, taking into account the possible changes in formats, i.e. hybrid, on digital sales and others.


Based on the SYMA dual strategy, we will also expand and develop trade fair and event-independent SYMA services in the future in order to position ourselves more broadly in the market to be able to play out all of our historically grown competencies.


How important will the home business remain in Switzerland?

The importance of the various markets remains unchanged.


How important are Germany, China?

Germany and China embody the largest exhibition markets worldwide. SYMA will continue to give them the appropriate attention.


SYMA has changed its web address «syma.ch» into «syma.com». What is different at SYMA?

This adjustment is based on the strategic decision to have a corporate landing page for all country subsidiaries. In this way we create a holistic representation of the existing structures as an international group.


How do you want to move into the future with SYMA?

Our future should bring a continuation of the SYMA success story in exhibition and event construction, show a targeted expansion through new, strategic partnerships and create a higher product diversity with special technical products.


Will there a transformation, a necessary turnaround?

No, just a sharpening and where necessary an adaptation of our processes. SYMA believes in the importance and continued existence of trade fairs for valuable, personal exchange on key topics - concentrated in time and place. Trade shows remain important - as central business platforms and as part of the corporate marketing strategy.


«I see an adjusted trade show industry with comparable

overall economic dimensions as quite conceivable in three years.»


Experts disagree on whether Germany will see a renaissance of flagship trade shows, which are quite large in terms of area, or a decline, not least because of existing travel restrictions and, perhaps later, corporate cost-cutting measures. What trade show industry do you see in say three years?

Assuming the pandemic is under control, exhibitors are likely to make a cautious start to the trade shows, with smaller trade show appearances by individual exhibitors, a «testing» of the trade shows post Covid, so to speak.

The organizers are challenged to make the trade fair formats more attractive by offering hybrid variants, launching new formats, making trade fairs even more of an experience, making them more sustainable in design and execution, and giving their formats multiple benefits.


I see an adapted trade fair industry with comparable overall economic dimensions as quite conceivable in three years time. But a shakeout of the variety of formats with the same themes will be inevitable sooner or later.


The Swiss exhibition market has its own structural difficulties and the weakness of by far the largest organizer, the MCH Group. To what extent can it still be managed successfully here at all? Do you see new business fields?

The business relationship between SYMA and the MCH Group is a long, successful and intensive one. The entire exhibition industry has its homework to do, including the MCH Group. We are noticing clear signs of dynamic development. The creation of new platforms, but also clever concept adaptations of existing ones, will shape the coming months. Switzerland's biggest exhibition organizer is changing and as official exhibition construction partner we support this renewal with attractive stand and complete superstructure concepts.


During Covid, SYMA said goodbye to divisions that are not part of its core business, such as audio visual technology. With what considerations?

The reason for this decision is the fast pace of development in audio-visual technology and the demand in the exhibition market for state-of-the-art products. SYMA has taken a solution approach to this issue with competent, specialized partners.


«Is everything going digital at SYMA now?»


On the other hand, SYMA has expanded its brand message to «we build d i g i t a l inspiration.» With what offering and what experience to date? Is everything going digital at SYMA now?

Accelerated by the sudden standstill in the exhibition market, SYMA, in close collaboration with strategic partners, has acquired in-depth knowledge in the sector «digital and virtual». As a result, our projects have progressed far beyond the stage of digital twins and we can also accompany our customers on the path to «digital sales».


What's next for the trade fair and event business? Will there be a renaissance in the European trade fair industry? What is your assessment?

Digitalization has become inevitable in all industries, fostered by the technical hype during the pandemic.


SYMA is convinced that digitalization will stay and will be found in many new concepts of organizers. Also because very many positive aspects go hand in hand with offering digital formats.


Think of the impact of the pandemic on travel willingness or travel restriction, of the increasing influence of the topic sustainability. And think of upcoming generations who have grown up in a completely different set of values, for whom it is normal to use new media and technologies. They, too, will be picked up by the progress of digitalization - exactly where they are technologically.


Interview: Urs Seiler


Translated from German with www.DeepL.com