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Glug, Cheeseaffair, Boom: «Messen müssen sich im digitalen Zeitalter neu erfinden»

Nach dem Erfolg mit der Getränketechnikmesse Glug in Aarau kommt Messemacher Christian Rudin jetzt mit der Cheeseaffair und dem Gewerbetag Boom in Zürich-Altstetten. Der Anspruch heisst «einfach, unkompliziert, persönlich, bezahlbar.»



by Christian Rudin* || 18. Dezember 2023

 

Christian Rudin, vom 1. und 2. Februar 2024 veranstaltet Ihr die zweite Fachmesse Glug, nationaler Treffpunkt für Getränkehersteller, die im 2023 mit Erfolg lanciert wurde und im 2024 mit 30 Prozent mehr Ausstellern (105 Aussteller) ausgebucht ist. Vom 29. bis 30. Januar 2024 findet neu auch die Fachmesse Cheeseaffair (bereits 79 Aussteller), Nationale Handelstage für Schweizer Käse, statt, beide Messen in der Reithalle Aarau. Was beschäftigt Dich dazu am meisten, was sind die wichtigsten nächsten Schritte?

Aktuell sind wir mit Vollgas in der BesucherInnenakquise, die Glug ist ja ausstellerseitig bereits ausverkauft und die Cheeseaffair läuft über unseren Erwartungen. Jetzt sind wir dran, das Rahmenprogramm zu finalisieren und die Inhalte den BesucherInnen zu kommunizieren.

 

Säulen unseres BesucherInnenmanagements ist das Einbinden von verschiedenen Gruppierungen wie Verbände oder Firmen, die wir zusammen bringen und mit denen wir eine gemeinsame Initiative verfolgen.

 

Auf der Glug führt zum Beispiel die Braumeistervereinigung eine Jahrestagung durch. Wir fördern solche Initiativen, weil wir möglichst viele Multiplikatoren in unsere Messen einbinden wollen.

 


«Community» ist das Marketing-Schlagwort im digitalen Zeitalter. Mit welchen Mitteln bindet Ihr die Getränke- und die Käseherstellercommunity an die Glug und die Cheeseaffair und wie wird übers Jahr mit ihnen kommuniziert, wenn die Messen nicht laufen?

Wir haben einen halbjährlichen News- und Contentzyklus. In dieser Frequenz kommunizieren wir hauptsächlich auf analoge Weise in unserem eigenen «Anzeiger», den wir Anzeiger nennen, da wir nicht Fachzeitschriften konkurrenzieren wollen.



Im Mai 2024 startet Ihr auch das Erlebniskonzept Boom24 in Zürich-Altstetten. Mit welchen Erwartungen?

Wir haben die Boom24 nach Anhörung verschiedener Interessenkreise im ersten Jahr jetzt erst einmal als Gewerbetag lanciert. Primär sprechen wir in Altstetten die Arbeitnehmenden an und die Unternehmer, die lokal Produkte einkaufen. Im zweiten Jahr soll die Boom dann auf «Erlebnistage» erweitert werden

 

Meine geistige Heimat sind zwar Fachmessen. Da ich, zwar Basler, seit mehr als 10 Jahren in Zürich-Altstetten zu Hause bin, im Boomquartier in Zürich mit dem stärksten Bevölkerungswachstum, fand ich hier eine quasi-natürliche Umgebung für die Boom24. Ohne meine Verwurzelung im Quartier in Zürich-Altstetten würde ich das Projekt nicht verfolgen. Was die Boom von den grossen städtischen Publikumsmessen unterscheidet ist ihre Verankerung im Quartier in Zürich-Altstetten, wo in verschiedenen lokalen Location unterschiedliche Events stattfinden.

 

Die BOOM24 hat bereits starke Partner an Bord, darunter die Organisationen Gewerbeverein Grünau-Altstetten, HEV Zürich und Initiativ-Genossenschaft Lindenplatz Altstetten, welche die Trägerschaft übernehmen.

 

Auch mit der Glug und der Cheeseaffair verstehen wir uns nicht als herkömmliche Messe. Die Säulen unseres Konzepts sind einfache Ausstellungen in einem Ambiente wie der Reithalle in Aarau, in dem sich die Community wohl fühlt. Der Wohlfühlfaktor ist wichtiger Bestandteil unseres Konzepts. Dann haben wir ein Messekonzept, das den Ausstellenden die Einstiegshürde klein macht: für 2'000 Franken präsentieren sie sich während zwei Tagen inklusive ihres Standes ihrem Publikum. Der Tenor auf die erste Glug im 2023 lautete deshalb: «So stellst Du Dir eine Veranstaltung vor: einfach, unkompliziert, persönlich.»



Gemäss der Save Food Organisation gehen 1/3 aller Lebensmittel verloren. Wird es dazu auf Euren Messen ein Angebot geben wie Verpackungen, die die Haltbarkeit verlängern oder andere moderne Verpackungstechnologien?

Die Gebindeherstellung und ihr Einsatz zur Verhinderung von Nahrungsmittelverlusten sind das grosse Thema in der Getränke-Industrie und auf der Glug. Was ist zudem umweltfreundlicher, Pet oder Aludosen oder Getränkekartons? Die Verhinderung von Ressourcenverlusten sind Themen, die die Getränkebranche stark bewegen.

 

Im Unterschied zur Glug, auf der der Getränkehersteller auf der BesucherInnenseite zu finden ist und die Aussteller Unternehmen von Produktions- und Abfallanlagen sind oder Reinigungsspezialisten ist bei der Cheeseaffair der Käseeinkäufer der Besucher. Ein Viertel bis ein Drittel der Aussteller kommen aus der Käsezulieferindustrie, etwa Logistikunternehmen für die Händler.

 

Eine Säule für den Erfolg der Glug und die Zukunft der weiteren Messen von Euch wird das Verbands- respektive Netzwerkmanagement sein. Wie denkst Du darüber? Wie lassen sich Verbände für Messen begeistern?

Wir versuchen, auch für Verbände, einen Mehrwert zu schaffen. Das kann ein Mehrwert für ihre Mitglieder sein, oder eine Bühne, sich als Verband zu präsentieren oder in Form von Vergünstigungen. Partnerschaften funktionieren nur, wenn man sich nicht gegenseitig etwas wegnimmt, sondern Win:Win-Situationen schafft, die einen Mehrwert für alle Partner herstellen. Da wo das funktioniert, sind Verbände positive Partner und Multiplikatoren, die das Medium Messe schätzen.



Die Zeit der großen Publikumsmessen ist in der Schweiz nach der Streichung der Muba in Basel und der Züspa in Zürich angeblich vorbei. Jetzt kommt Ihr 2025 auch zusätzliche zur Glug und der Cheeseaffair mit den urbanen Erlebnistagen als Publikumsevent in Zürich. Was können die Erlebnistage, was die erwähnten beiden Publikumsmessen nicht konnten?

Es ist wichtig, die Besuchenden bei ihren Interessen und Anliegen abzuholen und als Veranstalter in seinen Intentionen nicht primär ausstellergetrieben zu sein. Das ist das oberste Gebot bei allen Anlässen, sei das eine Fach- oder eine Publikummesse. Es ist die Antwort auf die Frage, was die jeweilige Branche im tiefsten Inneren bewegt. Da kommen dann jene Themen zum Vorschein, die jeden Branchenangehörigen interessieren. Jeder und jede soll in den urbanen Erlebnistagen abholen können, was ihn oder sie interessiert und wir wollen diese Themen spannend inszenieren.

 

Zahlreiche Fachmessen öffnen den letzten Messetag jeweils dem Publikum. Inwiefern sind solche Ansätze bei der Glug und der Cheeseaffair angedacht?

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich dazu nichts sagen. Nur, dass wir noch einige Wochen brauchen, bis dieses Thema spruchreif ist …


Kompaktmessen wie die Glug oder Cheeseaffair sind hoch erfolgreich. Inwiefern ist in der Schweiz die Zeit der ganz großen Messen mit opulenten Indidvidualmesseständen vorbei?

Man muss das differenziert betrachten. Es gibt auch in der Schweiz nach wie vor Messen, die laufend wachsen und einen zunehmenden Platzbedarf haben, etwa im Bereich Baumaschinen, Forstwirtschaft oder Transport.

 

Aber wir müssen als Messeveranstalter wie erwähnt kompakter und kostengünstiger werden und Leistungen jenseits der Hardware erbringen, die ihnen einen tatsächlichen Mehrwert erbringen, ohne hohe Zuschläge und Nebenkosten, von denen viele Aussteller die Nase voll haben. Ein Auftritt auf einer Fachmesse muss auch bezahlbarer werden.

 

Die Gründe dafür sind einfach. Fachmessen wurden im letzten Jahrhundert vor dem Aufkommen des Internets und von Smartphones entwickelt. Die digitale Entwicklung der letzten Jahre verlangt jetzt nach neuen Messeformaten. Kein Mensch geht mehr auf Messen, um Primärrecherchen zu unternehmen oder nur um Exponate zu sichten, das kann man einfacher und schneller via Internet bewerkstelligen. Messe-Kompaktformate sind eine Antwort diese Entwicklung.

 

Ich bin seit 22 Jahren als Messemacher unterwegs. Wer diese Entwicklungen berücksichtigt, kann auch im Messebereich immer noch neue Formate finden und entwickeln, das Potenzial ist überhaupt noch nicht ausgeschöpft.

 

Was können Messen im Zeitalter der digitalen Transformation, was Online nicht kann?

Der Mensch ist ein soziales Wesen, die persönliche Komponente lässt sich noch nicht digitalisieren. Was Messen auch in Zukunft ausmacht sind weiche Faktoren. MessebesucherInnen kommen nicht mehr wegen Facts & Figures auf eine Messe. Sie wollen diese in einem persönlichen Wohlfühlraum erklärt bekommen, in einer atmosphärischen Umgebung. Auch im Fachbereich lassen sich solche menschlichen Züge nie ignorieren. Sie sind auch Teil unserer Messekonzepte.

 

Die Veranstalter

Die Messen Glug und Cheeseaffair sind Co-Initiativen mit Experten aus den Branchen. Diese sind an der Konzeption der Veranstaltung beteiligt, was uns ein schnelles Verständnis der für die Veranstalter neuen Branche garantiert.


*RUUF AG | swiss business experience - ist eine Agentur für Projektentwicklung unter der Leitung von Christian Rudin, Mittelbeschaffung und Verkaufsunterstützung mit 3 Mitarbeitenden im Kernteam und einem starken Netzwerk für projektbezogene Dienstleistungen. Der Fokus liegt in der Entwicklung und Durchführung von Messen.

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