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Home-Maxxing? Die menschliche Dimension auf der Heimtextil 2027

vor 8 Minuten
3 Min. Lesezeit

Besser schlafen, schneller regenerieren, effizienter leben: Der Wunsch nach Optimierung hat unser Zuhause erreicht. Sie zeigen, warum das Zuhause heute gleichzeitig Cocoon und Rückzugsort sein soll.

 

 

 

Seit wann ist Entspannung etwas geworden, das man auch noch optimieren muss? Wollen wir wirklich einen Bereich, der noch mehr von uns verlangt?


Das war das Thema der Heimtextil Pressekonferenz zu den neusten Textiltrends vom 7. September. Ivonne Seifert (Bild links), Marketingkommuni-kations-Direktorin der Textil- und Textiltechnologiemessen der Messe Frankfurt, stellte zu Beginn der Pressekonferenz diese rhetorische, aber richtige Frage. Im Trend Space in Halle 4.2 werden die Heimtextil Trends 27/28 erlebbar präsentiert.


Und die Antwort lautete: Je stärker Schlaf, Wellness, Routinen, Materialien und Räume optimiert werden, desto größer wird die Sehnsucht nach einem Zuhause, das nicht nach mehr Leistung verlangt.

 


„Home-Maxxing bringt zwei gegenläufige Erwartungen unserer Zeit auf den Punkt: das

Streben nach immer mehr Leistung und das Bedürfnis nach Entlastung. Die Heimtextil

Trends 27/28 erweitern den Blick auf textile Performance: Es geht nicht nur darum, was

Materialien und Produkte leisten, sondern ebenso darum, wie ihre Funktion

nachvollziehbar und ihre Beschaffenheit erfahrbar wird. Daraus entstehen neue

Ansatzpunkte für die Gestaltung und Entwicklung künftiger Produkte und Raumkonzepte“,

so Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurt.

 

Die Anforderungen an Räume werden vielfältiger. In einem immer schnelleren und

digitaleren Alltag sollen sie Orientierung geben, funktionale Ansprüche erfüllen und

zugleich Entlastung bieten. „Home-Maxxing“ greift diesen Widerspruch auf. Textilien

regulieren Licht, dämpfen Geräusche oder filtern Luft. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis

nach Materialien, die sich angenehm anfühlen, lange halten und nicht zusätzlichen

Optimierungsdruck erzeugen. Ob Zuhause, Hotel, Arbeitswelt oder Healthcare – Interior

Design muss Leistungsfähigkeit und menschliche Bedürfnisse neu ausbalancieren.

Gemeinsam mit der Mailänder Designplattform Alcova übersetzt die Heimtextil diese

Entwicklung in drei Trendrichtungen: Staged Competence, Inside, Out und Hyper

Presence. Sie reichen von sichtbar inszenierter technischer Leistungsfähigkeit über offen

gezeigte Verbindungselemente bis hin zu Materialien, deren Haptik, Beschaffenheit und

Langlebigkeit in den Vordergrund rücken. Drei Trends dominierten auf der Pressekonferenz:

 


01 Staged Competence

Funktionalität darf man sehen. Staged Competence beschreibt eine Ästhetik, in der

technische Kompetenz nicht im Hintergrund bleibt, sondern bewusst inszeniert wird.

Textilien und Oberflächen zeigen, was sie können – und zunehmend auch, wie sie es

können. Technische Codes, Zahlen, Symbole und Mikrografiken werden zu

Gestaltungselementen. Entscheidend ist dabei nicht allein die tatsächliche Funktion eines

Materials. Seine Leistungsfähigkeit soll auch nach außen erkennbar sein. Was getestet,

konstruiert und optimiert wurde, darf entsprechend aussehen. Strapazierfähigkeit,

technische Raffinesse und nachweisbare Qualität werden Teil der Ästhetik.

Die Farben unterstreichen diesen technisch geprägten Charakter. Kühle Blau- und

Grüntöne, mineralische Nuancen und helle, fast synthetische Farben erinnern an

Hardware, Outdoor-Ausrüstung und Funktionsmaterialien. Ein leuchtendes Säuregelb

setzt einen bewussten Akzent.

 

02 Inside, Out

Was steckt in den Dingen, mit denen wir uns umgeben? Inside, Out reagiert auf eine

Welt, in der Technologien und digitale Systeme immer komplexer und schwerer

nachvollziehbar werden. Der Trend setzt dieser Unsichtbarkeit eine neue Offenheit

entgegen: Konstruktionen werden verständlich, Verbindungen sichtbar. Schrauben, Gurte,

Nähte, Kabel, Reißverschlüsse oder andere Verbindungselemente werden nicht länger

verborgen und werden bewusst Teil des Designs. Ein Bezug darf erkennen lassen, dass

er abgenommen und ausgetauscht werden kann. Technik muss nicht hinter einer

makellosen Oberfläche verschwinden.


Auch diese Farbpalette lebt von sichtbaren Gegensätzen. Dunkles Anthrazit und tiefes

Graphit erinnern an Stahl und industrielle Bauteile. Ein kräftiges Rot und sanftes Violett

setzen dazu beinahe künstlich wirkende Kontraste. Ergänzt wird die Palette durch einen

gedämpften, kühlen Grün-Grau-Ton.

 

03 Hyper Presence

Nach all der Optimierung kommt die Gegenbewegung. Hyper Presence richtet die

Aufmerksamkeit auf das, was sich nicht messen lässt: wie sich ein Stoff auf der Haut

anfühlt, wie ein Material altert oder welche Atmosphäre durch Textur entsteht. Wie

sinnlich Materialien wirken können, zeigen etwa mit Bienenwachs behandelte Gewebe,

die durch Wärme den natürlichen Duft von Honig und Propolis entfalten. Der Trend

reagiert auf die permanente digitale Reizüberflutung mit bewusster physischer Präsenz.

Materialien stehen entsprechend im Mittelpunkt: Naturfasern, raue und lebendige

Oberflächen, Wolle, Leder oder Holztextilien sprechen den Körper und die Sinne an.

Falten, Patina und Gebrauchsspuren sind keine Fehler, sondern Teil ihres Charakters.

Auch die Farben verlassen die digitale Welt. Tiefes Rostrot, gebranntes Orange, Ocker,

Altrosa und warmes Cremeweiß erinnern an Feuer, Ton und oxidiertes Metall. Die Palette

ist warm, erdig und beruhigend – und bildet damit den deutlichsten Gegenpol zur

technisch-kühlen Ästhetik der beiden anderen Trendrichtungen.


 

«Die Geschichte geht natürlich in Frankfurt weiter, wenn Home-Maxx physisch erlebbar wird», sagte Ivonne Seifert.

 

Die Heimtextil 2027 findet vom 12. bis 15. Januar 2027 statt.

 

 
 
 

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