Dramatischer Strukturwandel: Wie die Techtextil das immer herausforderndere Umfeld bewältigt
- vor 7 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Mit 1700 Ausstellern aus 54 Ländern zeigen Techtextil und Texprocess 2026 die gesamte Innovationstiefe der internationalen Textilindustrie – von neuen Materialien über Recyclingtechnologien und Veredelungslösungen bis hin zu leistungsfähigen Textilherstellungs- und Verarbeitungstechnologien. Und trotzt dem geopolitischen Umfeld.

von Urs Seiler || 22. April 2026 || Vertretung der Messe Frankfurt für die Schweiz und Lichtenstein
«Iran beeinflusst unsere Industrie direkt. Das ist keine vorübergehende Phase, sondern ein globaler Strukturwandel», sagte Messe Frankfurts Geschäftsführer Detlef Braun (Bild unten) zum Auftakt der Pressekonferenz der Techtextil und Texprocess vom 21. April. Das führe auch zu einer Rekalibrierung des weltweiten Messegeschäfts.

Trotzdem nannte er das Messeduo Techtextil/Techprocess ein «Feuerwerk der Innovationen», das Glück hat, trotz dem herausfordernden Umfeld mit 1700 Ausstellern und BesucherInnen aus 180 Ländern ihren Status als Weltleitmesse auf so hohem Niveau zu zelebrieren. Auch habe ich noch selten eine so gepackte Pressekonferenz einer Messe gesehen mit so vielen Gästen aus aller Welt.
Gründe für diese antizyklische Erscheinung nannte Detlef Braun schon früher an der Pressekonferenz zur Heimtextil: «Volatile Zollpolitik und geopolitische Unsicherheiten verändern globale Beschaffungs- und Handelsstrukturen. Der Bedarf an Orientierung, Markttransparenz, belastbaren Partnern und neuen Geschäftsmöglichkeiten steigt. Gerade in der aktuellen Zeit ist eine verlässliche Plattform wie die Heimtextil als zentraler Anlaufpunkt für die globale Branche unverzichtbar.
Detlef Braun hat recht: Messen werden seit ihrem Bestehen vor 800 Jahren immer wieder totgesagt, wie ein aktueller Diskurs auf LinkedIn gerade zeigt. Aber nichts wäre falscher, auch wenn Detlef Braun zu recht das immer schwieriger werdende Umfeld beschreibt. Aber Messen bleiben Leuchttürme im Begegnungsmarketing.
Was sind funktionale Textilien?

Ein bedeutendes Segement von funktionalen Textilien sind Schutztextilien, etwa für den Einsatz bei Polizei oder Feuerwehr, aber auch für den Einsatz in der Verteidigungstechnik.
Auf der Pressekonferenz zur Techtextil/Techprocess wurde ein Schutzanzug präsentiert, der einen Menschen sogar vor einem Molotowcocktail-Attacke schützt. Den Stellenwert von Textilinnovationen belegt das EU-Verteidigungsprogramm. Es definiert «smart and multifunctional textiles» als eigenes Themenfeld innerhalb der Verteidigung. Detlef Braun sprach von «Materialien, die schützen und Leben retten können.»
Wo die Innovationskraft besonders hoch ist, macht das Schwerpunktthema der Eröffnungspressekonferenz deutlich: Performance Apparel Textiles.
Zu den Highlights zählen auch das erstmals eigenständig gebündelte Segment Textile Chemicals & Dyes sowie das mit der Kennzeichnung Nature Performance versehene Angebot von über 110 Ausstellern, die natur- und biobasierte Fasern und Garne präsentieren.
Performance Apparel Textiles: Hohe Nachfrage, steigende Anforderungen
Darüber hinaus umfasst Performance Apparel Textiles im Vergleich zur Vorveranstaltung ein doppelt so großes Ausstellerangebot.
Die Texprocess zeigt mit 200 Ausstellern aus 28 Ländern den neusten Entwicklungsstand der textilen Verarbeitung – von Design bis zum Finishing, geprägt von Automatisierung, Digitalisierung und KI. Ein Highlight: das Start-up Stars Areal, wo aufstrebende Newcomer direkt auf Partner aus Industrie und Forschung treffen.Ob im Sport, in Outdoor-, Mode- und Workwear-Anwendungen oder in sicherheitsrelevanten Einsatzfeldern – der Bedarf an hochfunktionalen Textillösungen ist hoch. Steigende Investitionen in Sicherheit, Verteidigung und Katastrophenschutz erhöhen die Nachfrage nach belastbaren, normgerechten und technologisch anspruchsvollen Produkten – und treiben Innovationen in der Branche voran.
Die Techtextil/Techprocess läuft noch bis am 24. April in der Messe Frankfurt
TAKE OUTS
Die Messe Frankfurt baut ihr internationales Textilnetzwerk mit der Ankündigung der Val:ue Milan weiter aus. Val:ue Milan geht über das traditionelle Messemodell hinaus und präsentiert sich als prestigeträchtiger Business-Hub im Boutique-Stil, der sich ausschließlich ausgewählten Stoffen und Accessoires für die Bekleidungsindustrie widmet. Die Veranstaltung findet vom 3. bis 5. Februar 2027 in der Mall von Porta Nuova statt und bricht mit konventionellen Formaten durch ein streng kuratiertes Umfeld, das auf strategisches Networking ausgelegt ist.






Kommentare