Eurobike zieht die Konsequenzen: Folgt jetzt der Befreiungsschlag?
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Die Messe Frankfurt respektive die Fairnamic als Veranstalter der Eurobike greifen im Moment der Krise, und sie ist in einer grossen Krise, auf ihre bewährten Leader wie Philipp Ferger zurück. Aber in Köln wartet eine grosse Konkurrenz.
von Urs Seiler || 2. September 2026 || Vertretung der Messe Frankfurt für die Schweiz und Liechtenstein

Erst wollten die massgebenden Verbände der Fahrradindustrie mit der Eurobike weg vom Messestandort Friedrichshafen. Der Umzug in die Messe Frankfurt ging einher mit einer Neuorganisation der Messe und der Betriebsgesellschaft, dem Joint-Venture Fairnamic der Messe Frankfurt (49% Anteile) mit der Messe Friedrichshafen (51%). Jetzt wollen die Verbände weg von Frankfurt, weil sie mit der Organisation nach wie vor Unzufrieden sind. Was geht hier vor?

Die Eurobike steckt in einer schwierigen Phase, daraus machten Fairnamic-Geschäftsführer Philipp Ferger (Bild oben) und der neue Messeleiter Matthias Pietsch an der Pressekonferenz vom 1. September keinen Hehl. Philipp Ferger zog an der Pressekonferenz ein nüchternes Fazit zur Ausgabe 2026: ein Achtungserfolg, aber mit spürbarem Rückgang bei Ausstellern und Besuchern. Diese Offenheit ist bemerkenswert. Aber mit der „towards tomorrow – European Bike Show“ entsteht 2027 in Köln ein neues, reines B2B-Format. Hinter der neuen Messe stehen unter anderem der Zweirad-Industrie-Verband und die Koelnmesse. Der Anspruch ist nichts weniger als eine neue internationale Leitmesse der Fahrradwirtschaft zu schaffen. Damit wird aus der strategischen Neuausrichtung der Eurobike ein echter Wettlauf um die Branche.
Ein neuer Fokus
Die nächste Eurobike findet vom 30. Juni bis 2. Juli 2027 in Frankfurt am Main statt. Der zuvor geplante Termin im September 2027 sowie der zweijährige Rhythmus wurden damit wieder verworfen. Strategisch schärft die Eurobike ihr Profil: konsequenter B2B-Fokus ohne B2C-Publikum, dafür mit ausgeprägter Internationalität. Fairnamic verweist auf die Präsenz der Messe Frankfurt in über 150 Ländern und will Aussteller und Fachbesucher aus allen relevanten Weltmärkten adressieren. Getragen wird das neue Konzept von vier Säulen: Business, Innovation, Vernetzung und mediale Sichtbarkeit – ein Gerüst, das der Messe erlauben soll, sich von der reinen Ausstellungsfläche zu einer Plattform mit Substanz zu entwickeln.

Auch personell setzt Frankfurt auf Kontinuität und Erneuerung zugleich: Mit Philipp Ferger bleibt ein bewährter Leader an Bord, während der neue Messeleiter Matthias Pietsch (Bild oben) frischen Wind mitbringt. Pietsch anerkennt offen den wirtschaftlichen Druck und die neuen Formate, mit denen sich die Fahrradbranche auseinandersetzen muss – zeigt sich aber überzeugt, dass der Bedarf an einer internationalen Plattform ungebrochen ist.
Flexibilität

Bemerkenswert ist auch die Öffnung bei der Standflächenlogik: Aussteller können künftig in Halle 3 Meeting- respektive VIP-Räume buchen, statt klassisch auszustellen. Das ist ein pragmatisches Angebot an Unternehmen, die im aktuellen Umfeld anders am Messegeschehen teilnehmen wollen, ohne der Eurobike ganz fernzubleiben – ein Zeichen dafür, dass Frankfurt zuhört, statt an starren Formaten festzuhalten.

«Wir sehen „Your Business BASE“ nicht als Kannibalisierung, sondern als bewusste Erweiterung der Beteiligungsmöglichkeiten: Der klassische Messestand bleibt zentral für Marken- und Produktpräsenz, gleichzeitig können Unternehmen, deren Schwerpunkt auf fokussierten Geschäftsterminen liegt, künftig eine für ihre Ziele passendere Beteiligungsform wählen», sagt Frank Gauß (Bild oben) Leiter Kommunikation, Pressesprecher und Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Friedrichshafen.
Gelingt die Transformation?
Köln bleibt als Konkurrenzstandort eine reale Herausforderung, und ob das neue Konzept die verlorenen Aussteller zurückholt, wird sich erst 2027 zeigen. Doch mit der Kombination aus ehrlicher Bestandsaufnahme, klarem strategischem Fokus und einem verlässlichen, jährlichen Rhythmus schafft die Messe Frankfurt die Grundlage, auf der sich Vertrauen tatsächlich wiederaufbauen lässt.
Die 35. Eurobike findet vom 30. Juni bis 2. Juli 2027 auf dem Gelände der Messe Frankfurt statt.






Die ehrliche Bestandsaufnahme und die Offenheit von Philipp Ferger und Matthias Pietsch sind in der Tat bemerkenswert. Besonders interessant finde ich die Flexibilität bei den Standflächen durch "Your Business BASE". Die Transformation der Eurobike gleicht einem strategischen town of salem: viele Akteure, unsichere Allianzen und das ständige Risiko, falsch zu liegen.