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Geht dem Messeplatz Deutschland das Licht aus? Nein!

Die deutschen Leitmessen von Berlin bis nach Stuttgart sind für die schweizerische Wirtschaft lebenswichtig. Aber kommt es in den nächsten Wochen zu einem Energiestopp in den deutschen Messehallen?


by Urs Seiler | 25. November 2022


Bild: Messe Düsseldorf


Messen sind für die Wirtschaft wichtiger denn je, um während der Covid-Ära verlorenen Boden gutzumachen. Das gilt sowohl für die industriellen als auch die Konsumgütermessen in Deutschland, ohne die die schweizerische Exportwirtschaft nicht funktionieren würde.


Deutschland ist nicht nur Exportpartner Nummer Eins der Schweiz. Deutschlands Leitmessen sind auch Drehscheibe für den globalen schweizerischen Exporthandel, weil sich hier die Welt trifft.



Auf der Kunststoffmesse K in Düsseldorf vom 19. bis 25. Oktober 2022 lag die Zahl der Aussteller mit 3'037 (!) bereits bei 91 Prozent des Vorcoronaniveaus. Der Auslandanteil internationaler MessebesucherInnen lag bei der K 2022, wie bei vielen deutschen Leitmessen mit mehr als 70 Prozent weit jenseits der Hälfte.

(Story Kunststoff)


Zur ersten IAA TRANSPORTATION der Deutschen Messe in Hannover kamen im September 2022 bereits wieder 1.402 Aussteller aus 42. Die Liste der Aussteller- und BesucherInnen-Rückkehr post-Covid auf Deutschlands Leitmessen lässt sich beliebig verlängern.


Messen sind zurück und feiern ein Comeback!


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Messewirtschaft: Wie aus 1 Euro 10 Euro werden

Gemäß Schätzungen verschiedener Studien und Institute werden durch die Messe-Aktivitäten bis 10 Mal mehr wirtschaftliche Effekte erzielt, wenn die Wertschöpfungskette sämtlicher Nutznießer wie Messebaufirmen, Hotels, Cateringunternehmen, Schreinerbetriebe und eine ganze Reihe weiterer Klein- und Mittelunternehmen einbezogen werden.


Die Messe Frankfurt hat in ihrem Rekordjahr 2019 weltweit 736 Millionen Euro erwirtschaftet. Davon fielen 436.9 Millionen Euro wirtschaftliche Erlöse am Messeplatz Frankfurt an.


Das gibt, je nach Zählweise respektive Interpretation durch Multiplizierung mit einem Faktor 6 bis 10 gesamtwirtschaftliche Umsätze inklusive Steuern von 2.6 respektive 4.36 Milliarden.


Gemäß den AUMA Trends 2022/2023, «Die Deutsche Messewirtschaft: An uns hängt viel» konnten im 2021 von 380 geplanten Messen nur 100 durchgeführt werden und das nur dank der Lockerungen der Covid-Restriktionen im 2. Semester 2021. Gemäß dem AUMA beläuft sich der gesamtwirtschaftliche Schaden durch abgesagte Messen seit März 2020 auf mehr als 55 Milliarden Euro, gemäß AUMA entfielen davon neuen Milliarden Euro auf entgangene Steuereinnahmen und es gingen 180'000 Arbeitsplätze verloren.


Das zeigt wie wichtig es ist, dass es nie wieder zu einem durch Covid verursachten Messe-Lockdown kommen darf.


Geht der Messewirtschaft das Licht aus?

Aber bereits lauert am Horizont ein neues Schreckgespenst: wird die Politik der Messewirtschaft erneut «den Stecker ziehen», wenn wir in privaten Haushalten und im öffentlichen Raum Energie sparen müssen?


Wird der Messewirtschaft jetzt der Strom abgestellt und damit buchstäblich «das Licht gelöscht»? Nein!


Denn Messen wie die NürnbergMesse sind auf einen Energiemangel vorbereitet und können ihre Energie durch die in Reserve wartenden Öltanks kompensieren, sollte das notwendig sein. Die NürnbergMesse investierte bereits im 2020 in ein hybrides Wasserstoffkraftwerk und wird bis 2028 klimaneutral.


«Unsere Öl- und Gas-Tanks sind gefüllt» sagt Elke Möbius (Bild oben) am 22. November 2022, Messeleiterin der EuroShop vom 28. Februar bis am 2. März 2023 in der Messe Düsseldorf.


«Die anstehenden Messen und Veranstaltungen werden unabhängig von der jeweiligen Gasversorgungslage stattfinden» sagt auch der Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, Wolfram N. Diener in der FAZ am 12. September 2022.


Das Hin und Her der Politik kostet weitere fünf Milliarden Euro

In den ersten Monaten des Jahres 2022 mussten covidbedingt bereits wieder 100 Messen verschoben oder abgesagt werden, was ebendiesen wirtschaftlichen Verlust nach sich zieht.


Am 26. Januar 2022 sagte deshalb AUMA Geschäftsführer Jörn Holtmeier, Coronaverordnungen mit einer Gültigkeit von vier bis sechs Wochen seien keine Geschäftsgrundlage. «Dieses Hin und Her der Politik kostet weitere fünf Milliarden Euro.


Der Vorstandsvorsitzende des AUMA, Philip Harting sagt in den «AUMA Trends 2022/2023» am 11. Juli 2022: «Mein Appell an die deutsche Politik: Nach über zwei Jahren erzwungenem Stillstand darf es keine weitere Eiszeit für Messen geben.»


Das Geschäftsjahr 2021 an deutschen Messeplätzen in Kennzahlen

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Das Geschäftsjahr 2021 für deutsche Messeplätze verlief für einige besser als im Covidjahr 2020, für die anderen bedauerlicherweise schlechter.


Auffallend ist die Messe München, die ihren Umsatz beinahe verdoppeln konnte. Auch die Messe Berlin und die KölnMesse, die Hamburg Messe und die Messe Karlsruhe konnten ihre Umsätze steigern.


Die NürnbergMesse blickt optimistisch und mit einem Ziel von 200 Millionen Euro ins 2022, so viel wie im 2017.


Die Messe Stuttgart blickt optimistisch in die Zukunft und begründet diese im 2022 nicht zuletzt dank der Rückkehr der Leitmessen AMB für Metallbearbeitung und Interbad.


Die Deutsche Messe in Hannover feierte im 2022 ihr 75-Jahr-Jubiläum. Im Rahmen eines offiziellen Festakts wurde im September 2022 auf dem hannoverschen Messegelände das 75. Gründungsjubiläum der Deutschen Messe AG gewürdigt.


Nach zwei schwierigen Messejahren erwartet die Messe München mit ihren zwei neuen CEOs Dr. Reinhard Pfeiffer und Stefan Rummel gar ein positives Ergebnis


Die Messe Karlsruhe erwirtschaftete mit 19.5 Millionen Euro einen Umsatz, der 2.1 Millionen über dem 2020 lag. Der Vertrag der Geschäftsführerin Britta Wirz wurde im 2022 um weitere fünf Jahre verlängert.


Die Unternehmensgruppe Messe Düsseldorf erwirtschaftete im 2021 einen Umsatz von 102 Millionen Euro, davon 93 Millionen bei der Messe Düsseldorf GmbH.



Pandemiebedingte Ausfälle verhinderten Rekordumsätze in der Messe Dortmund, sie ist aber optimistisch, was das Messejahr 2022 betrifft, nicht zuletzt im Hinblick auf die anstehende Eventmesse BOE International vom 11. bis 12. Januar 2023.


Die Kölnmesse hält an ihrem Investitionsprogramm von 700 Millionen Euro bis im 2034 fest. Immerhin konnte der Umsatz im 2022 wieder gesteigert werden. CEO Gerald Böse hat seinen Vertrag bis im 2028 verlängert.


Die Messe Friedrichshafen hat mit der Leitmesse Interboot über Erwarten gut abgeschnitten. Bemerkenswert war im 2021 auch die Zusammenarbeit mit der Messe Frankfurt, die im Joint-Venture der gemeinsamen Gesellschaft Fairnamic gipfelte. Damit wird die Zukunft der Leitmessen Aero und Eurobike, letztere am neuen Standort in Frankfurt, gesichert respektive ausgebaut werden.



Die Messe Frankfurt selber erwirtschaftete im 2021 einen Umsatz von 154 Millionen Euro, zielt im 2022 aber bereits wieder auf ein Niveau von 400 Millionen.


Wichtig für die schweizerische Wirtschaft ist auch die LeipzigerMesse mit der Buchmesse oder der Cadeaux oder der Denkmal. Sie erwirtschaftete im 2021 einen Umsatz von 28.4 Millionen Euro.


Jetzt kehren sowohl die Aussteller als auch die BesucherInnen zurück

Wer prognostiziert, dass die deutschen Leitmessen ihre Bedeutung verlieren, liegt falsch.


Gemäß AUMA sind im Sommer 2022 rund 70 Prozent der Aussteller und 55 Prozent der BesucherInnen auf den deutschen Messen zurück. Wenn die Covid-Restriktionen in Ländern wie China oder Indien noch ganz fallen und die ausstellenden Wirtschaft aus diesen Regionen wieder an den Messeplatz zurück kehrt, werden die Kennzahlen an vielen Messeplätzen wieder Vorcorona-Niveau erreichen.


Die Interboot am Messeplatz Friedrichshafen vom 17. – 25. September lag bereits über dem AUMA-Durchschnitt.


Die IFAT in München vom 30. Mai bis am 3. Juni 2022 belegte wie in den besten Jahren alle 18 (!) Hallen und einen Großteil des Freigeländes, insgesamt 280'000 (!) Quadratmeter. 2'984 Aussteller reisten aus 59 Ländern und 119'000 BesucherInnen aus 155 Ländern an.


Zur GamesCom in der KoelnMesse kamen vom 23. bis am 27. August 2022 265'000 (!) Besuchende gegenüber 370'000 im Vorcovidjahr 2019 aus über 100 Ländern und 1'100 Ausstellende aus 53 Ländern.


Die Anuga vom 9. bis am 13. Oktober 2021 übertraf die Erwartungen mit 4'600 (!) Ausstellern aus 98 Nationen und 70'000 BesucherInnen aus 169 Ländern.


Die zur Mobilitätsmesse erweiterte Eurobike vom 13. – 17. Juli 2022 in der Messe Frankfurt wies mit 1500 Ausstellern und 61'150 BesucherInnen Rekordzahlen auf.

https://www.eurobike.com/de/meta/media/pressemitteilungen/pressemitteilung/?id=573


Zur Medica vom 14. bis 17. November in der Messe Düsseldorf kamen 81'000 BesucherInnen aus 70 Nationen.


Das sind starke Argumente, dass die Leitmessen in Deutschland ihre starke Position nach Covid sogar noch stärken werden. Das ist gut für die schweizerische Wirtschaft.


So sieht das auch der AUMA in seiner Trendstudie «Die Messen in Deutschland werden ab 2024 ein Vor-Corona-Niveau erreichen – wenn sie im Winter 2022/2023 problemlos stattfinden können.»


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