top of page

«In vielen Unternehmen stehen Marketingbudgets unter Druck: Aber ist Reichweite wirklich kostenlos?»

  • vor 5 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Nach der Wachtablösung bei der Messe Luzern wird CEO Fabienne Meyerhans den Branchencommunities an 365 Tagen im Jahr Mehrwerte bieten über den Quadratmeter hinaus. Noëlle Bucher wird neues Geschäftsleitungsmitglied.

 

von Fabienne Meyerhans || 9. Juli 2026

 

Die Geschäftsleitung der Messe Luzern von links:

Noëlle Bucher, Fabienne Meyerhans, Silvan Auf der Maur.


Fabienne Meyerhans, seit dem 1. Juli bist Du neue CEO der Messe Luzern. Was beschäftigt Dich zur Messe Luzern am meisten und lässt Dich nicht schlafen?

Ich schlafe grundsätzlich sehr gut, dafür bin ich dankbar. Aber mich beschäftigen natürlich einige Fragen. Eine davon ist, wie wir die Messe Luzern für die Zukunft weiterentwickeln. Nicht, weil ich Zweifel an der Zukunft von Messen hätte – im Gegenteil. Ich bin überzeugt, dass persönliche Begegnungen heute wichtiger sind, denn je. Aber die Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden verändern sich rasant. Die Herausforderung besteht darin, unsere traditionellen Stärken mit neuen Möglichkeiten zu verbinden. Wir müssen uns laufend fragen, welchen Mehrwert wir Ausstellenden, Besuchenden und Veranstaltern zusätzlich bieten können – vor, während und nach einer Messe.


In unserem Gespräch sagst Du, „alle wollen auf die Messe, aber niemand will sie bezahlen“. Wo liegt das Problem? Wie kann ein Veranstalter damit umgehen? Inwiefern ist die oft gehörte Transformation des Marketings oder die wirtschaftliche Begrenztheit der Schweiz dafür verantwortlich?

Ich glaube, wir erleben einen grundlegenden Wandel. Der Nutzen einer Messe ist für viele Unternehmen unbestritten. Ein Messeauftritt ist die Königsdisziplin im Marketing und erfordert eine Auseinandersetzung mit der eigenen Marke, Botschaften und Ideen für die Kontaktaufnahme mit Besuchenden. Ein Messeauftritt bietet auch sehr viel wie Sichtbarkeit, persönliche Gespräche und hilft beim Vertrauensaufbau unter Geschäftspartnern.

 

In vielen Unternehmen stehen Marketingbudgets unter Druck und jede Investition muss messbarer werden. Hinzu kommt, dass digitale Kanäle lange den Eindruck vermittelt haben, Reichweite sei praktisch kostenlos. Persönliche Begegnungen hingegen verursachen sichtbare Kosten. Dabei wird oft vergessen, welchen Wert ein qualitativ hochwertiges Gespräch oder eine neue Geschäftsbeziehung tatsächlich hat. Unsere Aufgabe als Messeveranstalter ist deshalb, den Mehrwert noch klarer sichtbar zu machen und unsere Angebote konsequent auf den Kundennutzen auszurichten.

 

Wie wichtig ist in diesem Prozess für die Messe Luzern die Erschliessung von Einnahmen jenseits des Vermietgeschäfts und von BesucherInneneinnahmen?


Neue Geschäftsmodelle neben dem Quadratmeterverkauf zu finden, wird in Zukunft eine grosse Rolle spielen. Ich bin überzeugt, dass sich die Messebranche von der reinen Flächenvermieterin zur Community- und Netzwerkplattform entwickelt. Menschen möchten sich treffen. Unternehmen möchten sichtbar sein. Dieses Bedürfnis endet aber nicht nach drei oder vier Messetagen.

 

Deshalb investieren wir seit Jahren in digitale Communityplattformen von Conteo mit Contentangeboten und Community-Lösungen. Die Messe bleibt der emotionale Höhepunkt – aber die Beziehung zwischen den Marktteilnehmenden kann während des ganzen Jahres gepflegt werden.

 

Neue Geschäftsmodelle bedeuten deshalb nicht, die Messe zu ersetzen, sondern ihren Wert zu verlängern. Mit der Investition in Communityplattformen sind wir auch in der Lage, die Messbarkeit von Messeauftritten zu verbessern und den Ausstellenden qualifizierte Daten zur Verfügung zu stellen. Wenn diese Daten relevant bleiben, dann werden diese Daten in Zukunft auch an Wert gewinnen.

 

Welches sind die Herausforderungen für die Erneuerung des Geländeplans der Messe Luzern wie die Finanzierung oder die Aufwertung des Geländes?

Ein Messegelände muss laufend weiterentwickelt werden. Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Digitalisierung, Aufenthaltsqualität oder Logistik verändern sich ständig. Für uns bedeutet das, langfristig zu denken und unsere Hallen sowie das gesamte Messeareal so weiterzuentwickeln, dass es auch in Zukunft attraktiv bleibt – sowohl für Messen als auch für Kongresse, Events und weitere Nutzungen.

 

Solche Projekte sind mit grossen Investitionen verbunden. Umso wichtiger sind eine sorgfältige Planung und die Zusammenarbeit mit Eigentümern, Partnern sowie der öffentlichen Hand.

 

An der FAMA-Tagung in Bern von Anfang Juni war das Thema „Erlebnisraum“ so etwas wie ein roter Faden respektive die Öffnung von Messegelanden in die Städte hinein. Inwiefern ist das in Luzern überhaupt erwünscht oder angestrebt?



Die Messe Luzern ist bereits heute Teil der Stadt Luzern und zum Beispiel sehr gut in den öffentlichen Verkehr eingebunden. Ich glaube grundsätzlich an offene Begegnungsorte. Gleichzeitig müssen wir berücksichtigen, dass unser Kerngeschäft die Durchführung professioneller Veranstaltungen ist. Ein Messegelände muss deshalb unterschiedliche Anforderungen erfüllen: Es braucht Sicherheit, Logistik, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Wo zusätzliche Öffnungen oder neue Nutzungen sinnvoll sind, prüfen wir diese selbstverständlich.

 

Wie ist die Messe Luzern im Umgang mit künstlicher Intelligenz aufgestellt?

KI wird nicht nur unsere Branche verändern. In der Messebranche wird KI jedoch nicht die physische Messe als Treffpunkt ersetzen, sondern diese besser machen.

 

Wir beschäftigen uns vermehrt abteilungsübergreifend und interdisziplinär mit verschiedenen Einsatzmöglichkeiten: von effizienteren Prozessen über Marketing und Contentproduktion bis hin zu personalisierten Besucherinformationen oder intelligenter Matchmaking-Unterstützung.

 

Ein wichtiges Prinzip scheint mir dabei, dass man möglichst viel ausprobiert und über die gewonnenen Erkenntnisse auch informiert, damit man gegenseitig voneinander lernen kann.

 

Welche digitalen Hilfsmittel stellt die Messe Luzern ihren Aussteller- und BesucherInnenkunden zur Verfügung?

Unsere Kundinnen und Kunden profitieren von unterschiedlichen digitalen Hilfsmitteln entlang der gesamten Customer Journey. Ich denke das ist heutzutage die Erwartung der Ausstellenden, aber auch der Besuchenden. Unter anderem stellen wir Ausstellenden und Besuchenden eine digitale Contentplattform zur Verfügung mit Ausstellerprofilen und deren Lösungen, Online-Communities, Matchmaking-Möglichkeiten, Content-Angeboten etc. Der Anmeldeprozess für beide Zielgruppen funktioniert lückenlos digital.

 

Ausstellende profitieren bei uns, dank dem System von Conteo, von zahlreichen messbaren Touchpoints, was in Ergänzung zur physischen Messe ein einzigartiger Kundennutzen ist.

 

Die Messe Luzern war eine der ersten Messegesellschaften, die messespezifische Landing Pages und damit eine Art 365-Tage-Messe installierte. Wie hat sich das Thema bewährt? Wollen das die Aussteller- und BesucherInnenkunden überhaupt? Und kannibalisiert das als Einnahmequelle respektive als Zusatzaufwand für Eure Ausstellenden nicht das Geschäftsmodell der Messe Luzern? Lässt sich damit substanziell Geld verdienen?

Das Thema der Community-Plattformen hat sich absolut bewährt – allerdings mit einer wichtigen Erkenntnis: Digitale Plattformen funktionieren nicht einfach deshalb, weil sie technisch vorhanden sind. Sie müssen echten Mehrwert schaffen. Wenn Aussteller dort sichtbar werden, Kontakte pflegen, Fachwissen teilen oder Leads generieren können, entsteht Nutzen für alle Beteiligten.

 

Deshalb sind unsere Plattformen nicht eine Konkurrenz zur physischen Messe, sondern eine Ergänzung. Die persönlichen Begegnungen bleiben der Höhepunkt. Die digitalen Angebote verlängern deren Wirkung.

 

Natürlich entsteht damit nicht von heute auf morgen ein zweites grosses Geschäftsmodell. Aber ich bin überzeugt, dass sich dieser Weg langfristig auszahlt, weil unsere Kundinnen und Kunden speziell bei Fachmessen einer Community angehören und informiert bleiben wollen.

 

Dass man auf unseren Plattformen relevanten Content findet, der Lösungen aufzeigt und nicht nur reine Produktplatzierungen, wird uns auch in Zukunft helfen, von KI-Agenten gefunden zu werden.

 

Interview: Urs Seiler

 

Neue Ära in der Geschäftsleitung der Messe Luzern


von links: Noëlle Bucher, Fabienne Meyerhans, Silvan Auf der Maur.

 

Per 1. Juli 2026 hat Fabienne Meyerhans die Führung der Messe Luzern AG als CEO übernommen. Neu in die Geschäftsleitung kommt Noëlle Bucher, die ab Oktober ihre Stelle bei der Messe Luzern AG antritt. Somit besteht die operative Leitung des Unternehmens künftig aus Fabienne Meyerhans, Silvan Auf der Maur und Noëlle Bucher.

 

Mit dem Start des neuen Geschäftsjahres am Mittwoch, 1. Juli 2026 übernahm Fabienne Meyerhans die Funktion als CEO. Sie tritt damit die an der Luga-Eröffnung angekündigte Nachfolge von Markus Lauber an. Weiterhin in der Geschäftsleitung tätig ist Silvan Auf der Maur, der den Bereich Veranstaltungen und Betrieb verantwortet. Fabienne Meyerhans und Silvan Auf der Maur sind seit über zehn Jahren Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Luzern AG. Diese wird im Oktober durch Noëlle Bucher komplettiert. «Uns war es wichtig, nebst den langjährigen Mitgliedern die Geschäftsleitung mit einer Persönlichkeit von ausserhalb unsers Unternehmens zu ergänzen. Noëlle bringt wertvolle neue Perspektiven und Erfahrungen mit», sagt Urs Hunkeler, Präsident des Verwaltungsrates.

 


TAKE OUT


 

 
 
 

Kommentare


bottom of page