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Messerekorde ohne Euphorie: Wenn das Schreckgespenst Transformierung geistert

  • vor 6 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Deutsche Messeplätze vermelden für das 2025 Rekordumsatzzahlen. Aber das 2026 wird erstmals seit Covid zu einer negativen Zäsur. Ausstellende Unternehmen kürzen ihre Messe-Etats. Wie stark ist das Geschäftsmodell Messe unter Druck?

 

von Urs Seiler || 30. Juli 2026


Ausstellerstimmen zur Hannovermesse.


Ich hoffe, Sie geniessen Ihren Urlaub. Aber Messen machen keine Pause, auch nicht in der Messepause.

 

Es wäre so schön gewesen, einfach die bedächtige Sommerzeit zu geniessen und sich auf den Messe-Auftakt im 2. Semester im August zu freuen. Aber die AUMA-Medieninfo vom 4. Juni, dass die Wirtschaftsflaute nun auch auf Messen, mit der traditionellen Verzögerung durchschlägt, hat aus der gemächlichen Sommerflaute aufgeschreckt.



Die Messe Essen erzielte im 2025 mit 83 Millionen Euro einen absoluten Rekordumsatz.


Die Hamburg Messe & Congress erwirtschaftete im 2025 mit 91 Millionen Euro ihren höchsten Umsatz in einem ungeraden Messejahr


Die Leipziger Messe meldet mit 109 Euro ihren zweithöchsten Umsatz überhaupt.


Die Messe München spricht von einem Rekordergebnis von 594 Euro im Mega-Messejahr.


Die Westfalenhallen Dortmund (Messe Dortmund) melden ebenfalls einen Rekordumsatz von 76 Millionen Euro im 2025.



Zweithöchste Gesamtwertschöpfung:

Die Umsatzzahlen 2025 der grössten deutschen Messeveranstalter

 



Wirtschaftlich herausforderndes Umfeld

Am 4. Juni titelte das Medieninfo des AUMA jedoch erstmals: «Wirtschaftsflaute schlägt nun auch auf Messen durch: Einzelne Kennzahlen 2026 drehen ins Minus». Die deutsche Messewirtschaft nach Covid erstmals wieder rückläufig und hat aufgeschreckt.

 

In den Pressemeldungen der Veranstalter fällt in nahezu jeder Mitteilung ein Satz wie «Verhalten optimistisch», «wirtschaftlich herausforderndes Umfeld» oder «konjunkturell anspruchsvolle Zeiten».

 

Wer nur die Geschäftszahlen liest, könnte diese Wortwahl für übertriebene Vorsicht halten. Tatsächlich beschreibt sie aber den Kern der aktuellen Situation. Die deutsche Messewirtschaft erlebt keinen Widerspruch – sondern zwei Realitäten gleichzeitig. Die eine Realität sind die glänzenden Zahlen. Die andere Realität ist die Unsicherheit über die Zukunft.



Für 2026 rechnet die Koelnmesse turnusbedingt sowie angesichts wirtschaftlicher und geopolitischer Rahmenbedingungen mit einem herausfordernden Messejahr.

 

Die Messe Frankfurt hatte ein Rekordjahr 2026 prognostiziert. Jetzt korrigiert sie die Prognosen nach unten auf eine nur noch «siebenstellige Millionenzahl».


Zwei ähnlich lautende Zitate geben ein sehr präzises Bild der gespaltenen Lage der Messewirtschaft.



Fabienne Meyerhans (Bild oben) ist seit dem 1. Juli 2026 CEO der Messe Luzern. Sie macht im smartville digital-Interview die Aussage «alle wollen auf die Messe, aber niemand will sie bezahlen.»

 


Wolfgang Marzin (Bild oben), CEO der Messe Frankfurt sagt auf smartville digital: Die Kunden sind da, aber in vielen Fällen werden Kosten reduziert.»


Das legt nahe: Das Geschäftsmodell Messe ist nicht in der Kritik. Aber es muss sich laufend der Zeit anpassen und messbarere Resultate ermöglichen. Nicht weil Messen an Bedeutung verlieren. Sondern weil ihre Kunden vorsichtiger werden.



Was geht hier vor?

Was ist der Grund für diese widersprüchliche Situation? Einfach gesagt hat die ausstellende Wirtschaft einfach weniger Etats für ihre Messen zur Verfügung. Gründe sind die geopolitische Lage der letzten Jahre und in Deutschland die schwache Konjunktur, die zu einer teilweise drastischen Kostenexplosion führten.

 

Dazu kommen eine Art «hausgemachter Probleme» in Deutschland. Philip Harting (Bild unten), Vorsitzender des AUMA gibt in der erwähnten Medieninfo eine sehr präzise Analyse, woran es auf dem Messeplatz Deutschland, der ein Spiegelbild auch der europäischen Messewirtschaft abgibt, mangelt:

 

«Eine echte Wirtschaftspolitik für die heimischen Unternehmen muss bis zum Jahresende spürbar werden. Der schleichende Abbau von Außenwirtschaftsförderung, hohe Standortkosten und überbordende Berichtspflichten sind verzichtbare, hausgemachte Probleme. Angesichts der Eskalation von Krisen und Konflikten weltweit schlagen diese zusätzlich auf Zukunftsinvestitionen wie Messeteilnahmen durch.»

 

Es sieht danach aus, dass diese Transformation irreversibel ist, das heisst, Messebudgets unter Druck bleiben und im Gesamtmarkt nicht mehr ansteigen werden.

 

Werden Messen gerade transformiert?

Natürlich war und ist die Annahme auch heute noch ein Unsinn, Messen könnten durch «Virtualität» (besser: durch Online) ersetzt werden. Das war schon seit Aufkommen des Internets ein Mythos, der sich nie bewahrheitet hat.

 

Auch künstliche Intelligenz wird daran nichts ändern, sondern im Gegenteil, Messen noch wertvoller machen. Dr. Jan Trenczek, Experte beim Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos sagt in der AUMA Medieninfo vom 13. Juli, Künstliche Intelligenz sei ein wichtiger Hebel für die Zukunftsfähigkeit der Messewirtschaft. Sie werde die persönliche Begegnung nicht ersetzen, sondern ihre Relevanz erhöhen.


Wenn wir hier von Transformation sprechen, ist damit eben nicht etwa die Substitution von Messe gemeint, sondern deren laufende Professionalisierung mit weniger Mitteln und KI wird auch hier ein Schlüssel dazu sein. Aussteller verlangen mehr Messbarkeit, mehr Leads und den Nachweis von mehr Return-on-Investment.

 

Den Messeveranstaltern kommt in diesem Transformationsprozess die Schlüsselrolle zu. Die Herausforderung besteht nicht im Nachweis der Daseinsberechtigung von Messen, sondern in der Verbesserung ihrer Relevanz für die ausstellende (und die messebesuchende!) Wirtschaft. Messeveranstalter müssen und können hier eine Leaderrolle einnehmen, gewissermassen unter dem Titel «Vom Quadratmeter zum Wertmeter.»


 

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