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Panik auf der Titanic: Der 10 Milliarden Euro teure Etikettenschwindel

Für die breite Öffentlichkeit gut sichtbare Branchen wie Kino, Theater oder Gastronomie erhalten jetzt Gelder aus dem Novemberprogramm der deutschen Bundesregierung. Aber das gleicht einem Eisberg. English below.


by Stephan Schäfer-Mehdi | Solingen, 11. November 2020

Mit 20 Minuten Stille, unter dem Hashtag #sangundklanglos, protestierte die deutsche Kreativszene, die besonders unter der Pandemie zu leiden hat am 2. November 2020 in Berlin.

Seit März führen die neuen Gesetze faktisch zu einem Berufsverbot für alle, die auf oder hinter Bühnen jeder Art stehen.

Schon im August hat sich die heterogene Szene aus Künstlerinnen und Künstlern, Technikern, Caterern, Regisseuren und dem gesamten Spektrum der Live-Kommunikation zu regelmäßigen Aktionen und Demonstrationen in den Landeshauptstädten und in Berlin als #alarmstuferot versammelt. Immer wieder schafften es die Protagonisten in Nachrichten und Talkshows. Aber danach ist Stille.

Das Rettungsprogramm der deutschen Regierung gleicht einem Eisberg. Die riesige Zahl nichtsichtbarer Zulieferer und Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft ertrinkt unter der Wasseroberfläche. Fast 90 Prozent der Betriebe der deutschen Veranstaltungswirtschaft wird jede Hilfe verwehrt. Ähnlich verhält sich die Situation in der Schweiz.

Die Großdemonstration in Berlin fand einen Tag vor der Bekanntgabe des deutschen «Wellenbrecher-Lockdowns» statt. Alle Hoffnungen auf ein Weiteragieren, auch in reduzierter Form und unter strengsten Hygienemaßnahmen wurde für den November bereits wieder abgewürgt. Selbst Hybridevents können nun nicht mehr stattfinden, zumindest bis Ende Dezember.

Auch die zahlreichen Gespräche auf politischer Ebene sind frustrierend verlaufen. Die von Bundes- und Landesregierungen angekündigten und umgesetzten Hilfsprogramme helfen mehr den Großunternehmen, sind aber auf die Realität vieler Soloselbständiger und KMUs nicht ausreichend oder zutreffend.

Es zeigt, dass trotz vieler und intensiver Gespräche, die Besonderheiten der Live-Kommunikation immer noch nicht verstanden wurden. Oder aber sie interessieren nicht.

So bleibt eine gewisse Hilflosigkeit einer großen Branche, die fälschlicherweise nicht als «systemrelevant» wahrgenommen wird.

Das ist absurd. Die Veranstaltungsbranche liegt in der Rangliste der umsatzstärksten Branchen in Deutschland auf Rang sechs hinter dem Kraftfahrzeugbau, dem Maschinenbau, der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der Elektrotechnik und der Ernährungsbranche mit einem Umsatz von 130 Milliarden Euro.

Allein im Bereich der «wirtschaftsbezogenen» Anlässe wie Messen, Meetings und Events arbeiten 1 Millionen Menschen. Bei den Beschäftigungszahlen liegt die Veranstaltungsbranche auf Platz zwei![1]

Die Veranstaltungsbranche verhält sich seit März 2020 höchst verantwortungsvoll. Die Frage ist, wie lange können die Akteure noch durchhalten.

Stephan Schäfer-Mehdi ist preisgekrönter Kreativer bei Studio Bachmannkern in Solingen und Kolumnist von smartville.digital.

[1] Quelle: R.I.F.E.L. Research Insitute für Exhibition and Live-Communication-Studie: Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltungsbranche. 15. Juni 2020.


-------- English --------


Panic on the Titanic: The 10 billion Euro labeling fraud

Sectors that are highly visible to the general public, such as cinema, theater or gastronomy, are now receiving funds from the German government's November program. But this is like the tip of the iceberg.

by Stephan Schäfer-Mehdi | Solingen, 11 November 2020

With 20 minutes of silence, under the hashtag #sangundklanglos, the German creative scene, which is particularly suffering from the pandemic, protested on November 2, 2020 in Berlin.

Since March, the new laws have led to a de facto ban on all those who stand on or behind stages of any kind.

Already in August, the heterogeneous scene of artists, technicians, caterers, directors and the entire spectrum of live communication gathered for regular actions and demonstrations in the state capitals and in Berlin as #alarmstuferot. Again and again the protagonists made it in news and talk shows coverage. But afterwards there is silence.

The German government's rescue program resembles the tip of an iceberg. The huge number of invisible suppliers and service providers in the event industry is drowning under the water surface. Almost 90 percent of the companies in the German event industry are denied any help. The situation in Switzerland is similar.

The large-scale demonstration in Berlin took place one day before the announcement of the German «breakwater lockdown». All hopes of continuing to act, even in a reduced form and under the strictest hygiene measures, were already stifled for November. Even hybrid events can no longer take place now, at least not until the end of December.

The numerous discussions on the political level have also been frustrating. The aid programs announced and implemented by federal and state governments are more helpful to large companies, but are not sufficient or appropriate to the reality of many solo self-employed and SMEs.

It shows that despite many and intensive discussions, the specifics of live communication are still not understood. Or else they are not of interest.

Thus a certain helplessness of a large industry remains, which is wrongly not perceived as «system relevant».

That is absurd. In the ranking of the top-selling industries in Germany, the event industry is in sixth place behind the automotive industry, mechanical engineering, the chemical-pharmaceutical industry, electrical engineering and the food industry with a turnover of 130 billion euros.

In the area of «business-related» events such as trade fairs, meetings and events alone, 1 million people work. In terms of employment figures, the event industry is in second place!

The events industry has been behaving in a highly responsible manner since March 2020. The question is: how much longer can the players hold out?

Stephan Schäfer-Mehdi is an award-winning creative of Bachmannkern and columnist of smartville.digital.

Translated from German into English with www.DeepL.com/Translator

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